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Mikronährstoffe und ihre Bedeutung für den Menschen

Vitamin Forum, Sommer 2002

 

Im Vitamin Forum werden wir Ihnen in Zukunft hochinteressante Gespräche mit Experten zu verschiedensten Themen präsentieren. Unser erster Gast ist Dr. med. univ. Peter H. Lauda. Er ist Spezialist auf dem Gebiet der Mikronährstoffe und beschäftigt sich bereits seit 25 Jahren mit Vitaminen und Antioxidantien. Dr. Lauda wird uns einen Einblick geben, wie er seine Patienten mit Mikronährstoffen behandelt und wie es tatsächlich mit der Versorgung der Bevölkerung mit diesen wichtigen Vitalstoffen aussieht.

 

Huber: Herr Dr. Lauda, Sie werden als "Vitamindoktor" bezeichnet, weil Sie Ihre Patienten in erster Linie mit Vitaminen und anderen Mikronährstoffen behandeln. Wie gehen Sie dabei vor ?

Dr. Lauda: Jeder Patient erhält ein individuell angepaßtes Therapieschema mit Mikronährstoffen und Anti-Oxidantien. Als Grundlage für die Erstellung dieses Therapieschemas dienen ein ausführliches Arztgespräch (Anamnese), das im Schnitt zwei Stunden dauert. Weiters eine gründliche körperliche Untersuchung (Herz, Lunge, Haut, Haare, Nägel, Wirbelsäule, etc.) inklusive EKG. Der wohl wichtigste Punkt bei der Erstellung des Therapieschemas sind jedoch die Spezialanalysen, das heißt, die exakte Analyse aller Vitamine, Spurenelemente, Mineralien, Aminosäuren, Fettsäuren, Glutathion u.a. in Blut und Harn. Insbesondere die Messungen in der Zelle (intrazellulär) sind gut geeignet, Vitamin- und andere Nährstoffdefizite festzustellen.

Huber: Warum haben Sie sich eigentlich entschlossen, Ihre Patienten mit Vitaminen zu heilen und nicht herkömmliche Medikamente einzusetzen ?

Dr. Lauda: Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner von Krankheiten und den mit ihnen Hand in Hand gehenden Stoffwechselveränderungen landet man früher oder später bei der Biochemie der Zelle. Und wie in jedem anderen chemischen Betrieb kann es auch in der Zelle zu Betriebsunfällen kommen. Erst in den letzten Jahrzehnten erkannte man, daß das grundsätzliche Muster dieser chemischen Unfälle immer gleich ist.
Die Ursachen und Krankheitsbilder mochten dabei noch so unterschiedlich sein. Sie alle entstanden nach einem einheitlichen Prinzip aus biochemischen Entgleisungen. In sehr vielen Fällen sind die Verursacher dieser Betriebsunfälle sehr aggressive Substanzen, die sogenannten Freien Radikale.
Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen über den Einsatz von Vitaminen und Spurenelementen in der Therapie von Krankheiten wird immer größer und diese Substanzen werden deshalb auch zunehmend in schulmedizinische Therapien integriert. Bekannte Beispiele sind z. B. die Behandlung überhöhter Homocystein-Werte mit Vitamin B6, B12 und Folsäure. Homocystein ist, neben Lipoprotein-a, der aussagekräftigste Risikofaktor im Hinblick auf arteriosklerotische Veränderungen (Herzinfarkt, Hirnschlag).

Huber: Gibt es viele Ärzte in Österreich, die wie Sie Mikronährstoffe zur Behandlung einsetzen ?

Dr. Lauda: Es gibt doch eine Reihe von Ärztinnen und Ärzte in Österreich, die sich auf diese Form der Medizin, auch als Orthomolekulare Medizin bezeichnet, spezialisieren. Dabei handelt es sich aber leider noch um eine Minderheit. Die Skepsis einiger meiner Kolleginnen und Kollegen gegenüber den Mikronährstoffen rührt wahrscheinlich noch von einer Zeit her, als darüber einfach noch zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien vorlagen. Ich habe für diese Skepsis aber Verständnis, da es dem Arzt primär einmal darum geht, dem Patienten nicht zu schaden. Aber gerade auf dem Gebiet der Freien Radikale und Anti-Oxidantien wird zur Zeit viel geforscht. Allein zum Thema "Glutathion und Krebs" gibt es derzeit über 6000 in medizinischen Fachzeitschriften publizierte Arbeiten.

Huber: Sie sprechen oft von Mikronährstoffen. Was zählen Sie dazu und wie groß ist ihre Bedeutung für die Gesundheit des Menschen ?

Dr. Lauda: Mikronährstoffe sind in erster Linie an vermittelnden und steuernden biochemischen Prozessen beteiligt und somit ein wichtiger Bestandteil unzählicher Stoffwechselreaktionen. Man könnte auch sagen, dass Mikronährstoffe gleichsam die Gesundheit steuern. Defizite an diesen lebensnotwendigen Substanzen führen demnach unweigerlich zu Fehlfunktionen in biochemischen Abläufen, die sich dann als verschiedene Krankheitssymptome und letztlich Krankheiten äußern. Von den Mikronährstoffen unterscheiden muss man die Makronährstoffe, das sind Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Die heutzutage übliche, gesunde Ernährungsweise vieler Menschen besteht vor allem aus einem zu hohen Konsum von Kohlenhydraten (Zucker) und tierischer Fette. Dem gegenüber steht eine mangelhafte Zufuhr von Mikronährstoffen in Form von frischem Obst und Gemüse. Diese ungesunde Ernährungsweise ist neben Bewegungsmangel, sicher die Hauptursache für eine Reihe von sogenannten "Zivilisationskrankheiten" wie Herz- und Gefäßkrankheiten (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall), Allergien, Gelenks- und Rückenleiden und Krebs.

Zu den MIKRONÄHRSTOFFEN zählt man:
o Vitamine - z. B. Beta-Carotin, A, C, E, B1, B3, B6, Pantothensäure, Folsäure
o Mineralstoffe - z. B. Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium
o Spurenelemente - z. B. Selen, Kupfer, Zink, Mangan, Eisen, Chrom, Molybdän
o Aminosäuren - z. B. Methionin, Cystein, Glutamin
o Sekundäre Pflanzeninhaltstoffe - z. B. Curcumin, Flavonoide, Indole, Saponine, Phytosterole
o Fettsäuren - Omega-3-Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren
o Co-Q10, Carnitin, Melatonin, Alpha-Liponsäure, u.a.

Huber: Kann man also sagen, daß auch ein Mangel an Mikronährstoffen die Ursache bestimmter Krankheiten sein könnte?

Dr. Lauda: Es gibt tatsächlich Symptome und Krankheiten, bei denen Mikronährstoffdefizite zumindest eine Mitursache sind. Ich habe in der Praxis zum Beispiel noch keinen Fall von Skorbut gesehen, dem Vollbild eines extremen Vitamin C-Mangels, wie es zu Zeiten der Seefahrer im Mittelalter häufig vorgekommen ist. Heute spielt eher die schleichende Unterversorgungen mit Mikronährstoffen eine entscheidende Rolle. Diese gilt es aufzudecken, was mit Hilfe der bereits erwähnten Analysen möglich ist. An Defiziten von Mikronährstoffen muss man vor allem dann denken, wenn es sich um unspezifische Symptome handelt, d.h. Symptome, die keiner der bekannten klassischen Krankheiten zugeordnet werden können, z.B. unklare Magen- Darmbeschwerden, chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Schmerz- und Verspannungszustände. Eine weitere, wichtige Ursache für unspezifische Symptome sind auch Belastungen mit Umweltschadstoffen.

Huber: Wenn Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe die Grundlage für unsere Gesundheit sind, müßte dies doch ein wichtiger Teil des Medizinstudiums sein. Ist dies der Fall ?

Dr. Lauda: Derzeit leider nicht. Ich bin aber voller Hoffnung, dass sich das in den nächsten Jahren aufgrund der zwischenzeitlich vorliegenden Studien und wissenschaftlichen Erkenntnissen ändern wird und muss.

Huber: Gibt es Untersuchungen die eindeutig dokumentieren, ob unsere Nahrung noch ausreichende Mengen an Mikronährstoffen liefert?

Dr. Lauda: Eine Untersuchung der Justus-Liebig-Universität in Giessen (Deutschland), hat gezeigt, dass Obst und Gemüse heute erheblich weniger Mikronährstoffe enthalten als noch vor 30 Jahren. Fast täglich werden neue Zahlen über Schadstoffbelastungen in Lebensmittel veröffentlicht. Das sind sicherlich Fakten, die heute wohl niemand mehr ernsthaft bestreiten kann. Ein weiteres, ebenfalls nicht wegzudiskutierendes Faktum ist auch, dass sich bei den, bei jedem Patienten in meiner Ordination routinemäßig durchgeführten Vitamin- und Spurenelement-Analysen recht gut die Defizite an bestimmten Mikronährstoffen in der Nahrung widerspiegeln. So ist weithin bekannt, dass die Böden, vor allem in unseren Breitengraden, arm an Selen sind. Tatsächlich findet man auch bei vielen Menschen mehr oder weniger ausgeprägte Selen-Defizite im Körper.

Huber: Ist die Ursache, warum unsere Nahrung jetzt weniger Vitalstoffe enthalten könnte, bekannt ?

Dr. Lauda: Die Hauptursachen sind Überdüngung, Mehrfachernten, saurer Regen sowie der massive Einsatz von Pestiziden (Spritzmittel). Die Abnahme der Vitalstoffe in der Nahrung korreliert übrigens recht gut mit der Zunahme der Umweltbelastungen z. B. giftige Schwermetalle.
Schwermetalle verändern die chemische Struktur von Spurenelementen, genauer gesagt deren chemische Wertigkeit. In dieser veränderten Wertigkeit können die Spurenelemente nicht mehr von den Pflanzen aufgenommen werden und stehen uns so in der Nahrung auch nicht mehr bzw. in zu geringer Menge zur Verfügung. Um diese geänderte Umweltsituation zu verstehen, muss man allerdings kein Experte sein, allein der Hausverstand ist hier schon ausreichend !

Huber: Warum versuchen uns diverse Ernährungsexperten gebetsmühlartig über die Medien dennoch zu überzeugen, dass eine ausgewogene Ernährung alles enthält was wir brauchen, um gesund zu bleiben. Wie kommt es zu diesen entgegengesetzten Empfehlungen ?

Dr. Lauda: Das Hauptproblem bei diesen "Empfehlungen" ist, dass viele dieser selbsternannten Experten zum einen nicht über das nötige medizinische Hintergrundwissen verfügen und vor allem nie oder kaum entsprechende Blutanalysen durchgeführt haben! Das Ganze läuft sozusagen auf einer rein theoretisierenden Schiene ab und hat mit der täglichen Praxis bzw. der biochemischen Wirklichkeit kaum etwas zu tun. Die Behauptung, wonach durch eine "ausgewogene" Ernährung der Mikronährstoffbedarf des Menschen abgedeckt werden könnte und somit keine zusätzliche Einnahme von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen notwendig sei, verweise ich klipp und klar ins Reich der Märchen!
Eine solche Behauptung ist auch ein Schlag ins Gesicht von Patienten, bei denen ein Defizit an Mikronährstoffen zu bestimmten Symptomen und Krankheiten geführt haben. Sehr häufig finden sich auch Entgiftungsdefizite der Phase 1 und Phase 2 (Leber). Ich kann dies durch jahrelang konsequent durchgeführte Analysen an einer Vielzahl von Patienten wie auch gesunden Menschen dokumentieren.
Wer beim heutigen Stand des Wissens um die Bedeutung der Mikronährstoffe und Anti-Oxidantien so etwas noch immer behauptet, zeigt ganz klar, dass er die diesbezüglichen wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen nicht kennt !
Eigentlich können bei jedem Menschen mehr oder weniger ausgeprägte Defizite an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und Fettsäuren, etc. nachgewiesen werden. Leider muß man festhalten, dass zu diesem wichtigen Thema in der Öffentlichkeit nur sehr selten jene Kollegen befragt werden, die auch über ausreichende praktische Erfahrung verfügen! Nur so könnte sich die Bevölkerung ein klares Bild von der tatsächlichen Situation machen.

Huber: Brauchen wir alle gleich viel Vitamine oder ist die Menge vom individuellen Lebensstil und anderen Faktoren abhängig ?

Dr. Lauda: Jeder Mensch hat einen individuell unterschiedlichen Bedarf an Mikronährstoffen. Er ist diesbezüglich einzigartig wie auch sein Fingerabdruck. Es gibt zweifelsohne Umstände bzw. Situationen, in denen der Nährstoffbedarf deutlich erhöht ist. Dazu zählen u. a. sportliche bzw. körperliche Aktivitäten, Arbeitsstress, Schwangerschaft, Rauchen und Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Wachstumsphasen beim Kind. In den Diskussionen um den Vitaminbedarf wird auch immer wieder übersehen, dass die Menschen zunehmend mit einer Vielzahl an Schadstoffen (z.B. Schwermetalle, Pestizide, usw.) belastet werden und auch schon von dieser Seite her einen deutlich erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen haben als etwa vor 40 oder 50 Jahren. Es ist aus meiner Sicht geradezu grotesk, wenn diese geänderten Umweltbedingungen und zum Teil komplexen Schadstoffbelastungen der Menschen überhaupt nicht in einem Zusammenhang mit dem täglichen Bedarf an Mikronährstoffen gesehen werden. Mikronährstoffe spielen schließlich auch eine wichtige Rolle bei der Entgiftung von Schadstoffen.

Huber: Gibt es bei der Einnahme von Nahrungsergänzungen wie Vitaminen,
Mineralstoffen, Spurenelementen, Carnitin, etc. Empfehlungen von Ihrer Seite ?

Dr. Lauda: Man sollte grundsätzlich unterscheiden zwischen der Einnahme von Mikronährstoffen zur Ergänzung der Nahrung um die Gesundheit zu erhalten und dem gezielten Einsatz zur Therapie von bestimmten Krankheiten.
Bei der Ergänzung der Nahrung um gesund zu bleiben ist wichtig, daß ein breites Spektrum an Vitalstoffen, ähnlich wie in der Natur vorkommend, regelmäßig eingenommen wird. Im Idealfall kann der individuelle Bedarf durch dementsprechende Analysen festgestellt werden.
Wenn Mikronährstoffe aber zur Therapie von Krankheiten eingesetzt werden, so sollte dies ausschließlich durch den Arzt erfolgen. Analysen sind dann absolut notwendig. Ich warne in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor der Selbstmedikation, d.h. Krankheiten mit diesen hochwirksamen Substanzen zu behandeln !

Huber: Was können Sie uns noch empfehlen, um gesund und fit zu bleiben ?

Dr. Lauda: Ein gesunder Lebensstil besteht im wesentlichen aus vier Säulen:

Die erste Säule und die vielleicht wichtigste ist die maß- und sinnvolle körperliche Aktivität. Der griechische Philosoph und Arzt Hippokrates hat schon vor tausenden Jahren den bis heute gültigen Spruch geprägt: Bewegung ist des Menschen wichtigste Medizin !
Besonders zu empfehlen sind dabei Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Mountainbiking, Inlineskating, etc. bei denen vor allem große Muskelgruppen bewegt werden. Abgerundet und ergänzt werden sollte dieses Ausdauertraining durch Dehnübungen und gezieltes Fit-nesstraining zur Kräftigung der Muskulatur, insbesondere im Schulter-, Bauch- und Rückenbereich. Letzeres ist auch die wirksamste Prävention vor haltungsbedingten Rückenschmerzen. Ausdauersport sollte prinzipiell nur mit mäßiger Intensität betrieben werden. Das oftmals beobachtete Schinden ist vollkommen out. Dies kann unter anderem zu massivem Oxidativen Stress führen, welcher sich wiederum
gesundheitsschädigend auswirkt.
Die zweite Säule ist die Ernährung. Es steht ausser Diskussion, dass sich jeder Mensch bemühen sollte, sich möglichst gesund zu ernähren. Als Prototyp einer gesunden Ernährung könnte die sogenannte mediterrane Küche gelten, wie man sie in Mittelmeerländern wie Italien und Griechenland antrifft. Dazu zählen viel frisches Obst und Gemüse aus der
Region, viel Fisch, wenig tierische Fette in Form von Fleisch und Wurst, wenig weißer Zucker und andere raffinierte Lebensmittel. Auch die in dieser Küche viel verwendeten kalt gepressten Öle wie Olivenöl haben nachweislich gesundheitsfördernde Effekte.
Die dritte Säule um gesund und fit zu bleiben ist das seelische Gleichgewicht. Hier muss jeder Mensch seine individuelle Strategie entwickeln, um dieses zu erlangen. Allgemein gültig ist sicher die Em-pfehlung: "Zurück zur Natur." Oder umgekehrt. "Je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt, umso kränker wird er
letztlich."
Die vierte Säule ist die Ergänzung der Nahrung mit Mikronährstoffen und Anti-Oxidantien. Entsprechende Blut- und Harnanalysen in diese Richtung zur Bestimmung des individuellen Bedarfs sind sehr zu empfehlen.
Folgende Analysen sind bei einem gesunden Menschen empfehlenswert, um den tatsächlichen Mikronährstoffbedarf festzustellen:
o TAS (Gesamt-Anti-Oxidantien-Status)
o MDA (Malondialdehyd)
o HNE (Hydroxynonenale)
o Zink
o Selen
o Vitamin C
o Vitamin E
o Vitamin B6
o Glutathion-S-Transferase-tetha
o Homocystein

Huber: Man liest und hört heute viel von Freien Radikalen, und vor allem, dass sie schädlich für den Organismus sein sollen. Um was handelt es sich nun genau bei diesen sogenannten Freien Radikalen und welche Krankheiten können durch sie entstehen ?

Dr. Lauda: Stoffwechselprozeße im menschlichen Organismus sind nichts anderes als komplexe biochemische Reaktionsabläufe. Dabei entstehen unter anderem auch hochreaktive Moleküle, die als Freie Radikale bezeichnet werden. Es gibt aber auch viele "äußere" Ursachen für die Entstehung von Freien Radikalen. Dazu zählen Belastungen mit Umweltschadstoffen wie Blei, Cadmium, Quecksilber, Pestizide, Herbizide, Stickoxide, Ozon, Smog, Abgase und Stäube aus Straßenverkehr und Industrie, intensive Sonnenbäder, Ozon, Rauchen, etc. Freie Radikale besitzen ein oder mehrere ungepaarte Elektronen und sind deshalb, chemisch gesehen, sehr aggressiv. Sie wirken oxidativ ("verbrennend"), neigen zu Kettenreaktionen und können jede beliebige biologische Struktur (z. B. Aminosäuren, Zellmembranen, Erbsubstanz) angreifen, diese schädigen oder gar zerstören. Der menschliche Organismus macht sich diese zerstörerische Kraft der Freien Radikale zunutze, um mit deren Hilfe zum Beispiel Bakterien und Viren im Rahmen von Immunleistungen abzutöten. Freie Radikale sind deshalb, bis zu einem gewissen Maße jedenfalls, für das Überleben des Organismus von elementarer Bedeutung !
Freie Radikale entreißen dem angegriffenen Atom bzw. Molekül ein Elektron und machen es dadurch selbst zu einem Freien Radikal. Chemisch gesehen sind Freie Radikale starke Oxidantien und die durch sie vermittelten Oxidationen laufen meist in Form einer Kettenreaktion ab.
Prinzipiell setzt der Organismus diesen Oxidationen Reduktionen gegenüber, um so Freie Radikale unschädlich zu machen. Viele Mikronährstoffe, aber auch Pflanzen-inhaltsstoffe wirken reduzierend, indem sie ein Elektron an das Freien Radikal abgeben und es dadurch entschärfen. Man bezeichnet sie deshalb als Anti-Oxidantien. Durch ihre Funktion als Anti-Oxidantien haben Vitamine eine besondere Bedeutung für die Gesundheit.
Kann der Körper nun die entstandenen Freien Radikale nicht mehr unschädlich machen, so kommt es zum sogenannten Oxidativen Stress, d.h. es sind zu viele Freie Radikale im Körper bzw. es fehlen Anti-Oxidantien. Oxidativer Stress steht in engem Zusammmenhang mit der Entstehung von vielen Krankheiten wie Arterio-sklerose, Infarkt, Allergien, Gelenksprobleme, Parkinson, Alzheimer, Schmerz- und Verspannungszustände, Multiple Sklerose, Krebs. Wichtig ist auch zu wissen, dass Oxidativer Stress die Hauptursache von den heute oft auftretenden frühzeitigen Alterungsvorgängen ist. Man kann deshalb auch anti-oxidative Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren (Eiweiße) in der Anti-Aging-Behandlung einsetzen.

Huber: Herr Dr. Lauda, vielen Dank für dieses wirklich interessante Gespräch. Es ist sehr erfreulich zu hören, daß man als Patient heute die Wahl hat und sich mit Vitaminen und anderen Mikronährstoffen behandeln lassen kann.

Dr. Lauda: Ich persönlich finde es sehr wichtig, daß den Menschen die Bedeutung der Mikronährstoffe bewusst ist. Nur so können sie die richtigen Entscheidungen für Ihre Gesundheit treffen.

 

Das Interview wurde geführt von Franz Huber der Zeitschrift Vitaminexpress, Sommerausgabe 2002

Labordiagnostik,
eine Grundvoraussetzung für einen sinnvollen Einsatz orthomolekularer Therapie

1. Freie Radikale und oxidativer Stress

Für höhere Lebewesen ist es lebensnotwendig, Energie durch das Einatmen und Ausatmen von Sauerstoff zu gewinnen. Die bei dieser Stoffwechselreaktion in geringen Mengen gebildeten radikalen Sauerstoffe sind allerdings für körpereigene Zellen toxisch und somit verantwortlich für den sogenannten oxidativen Stress. Deswegen mußte im Verlauf der Evolution ein wirksamer und komplizierter Mechanismus geschaffen werden, der die Zerstörung der Zelle durch radikale Sauerstoffverbindungen verhindert. Zusätzlich hat der menschliche Körper aber auch gelernt, die radikalen Verbindungen, die regelmäßig in den Zellen entstehen, für sich zu nutzen, indem er sie zur Abwehr von Viren und Bakterien, aber auch zur Zerstörung eigener überalterter und defekter Zellen einsetzt. Man spricht hierbei von der zellulären Immunabwehr. 

Erst seit den 70er Jahren wurde durch eine steigende Anzahl wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Blick auf Vorgänge gerichtet, die reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS) im Körper verursachen. Durch einen vor allem in den USA verstärkten Forschungsaufwand, der auch der Aufdeckung dieser komplizierten Schutzmechanismen des Körpers gegen diese zerstörerischen Verbindungen diente, ist es heute möglich, neue Erkenntnisse über den oxidativen Stress in die medizinische Diagnostik und Therapie einfließen zu lassen.

Das komplexe System der Entstehung von oxidativem Stress soll hier erklärt werden, um besser einschätzen zu können, welche Untersuchungen notwendig sind, um die Höhe von oxidativem Stress, die Funktionsfähigkeit der Schutzmechanismen und die antioxidative Kapazität unseres Körpers, die wir gegen den oxidativen Stress mobilisieren können, messen zu können.

1.1 Die Entstehung von oxidativem Stress

Die Zellen des menschlichen Körpers bilden also durch Verwertung des Sauerstoffs die zum Leben notwendige Energie, indem sie in dafür spezialisierten Teilen der Zelle (den Mitochondrien) den Sauerstoff zu Wasser umwandeln (Reduktion des Sauerstoffs). Dabei kommt es auch stets zur Bildung von nur teilweise reduzierten und dadurch stark reaktiven Sauerstoffverbindungen, den Superoxid-Radikalen (O-2.).  Mit Hilfe eines Enzyms, der Superoxiddismutase (SOD), wird die Umwandlung dieser radikalen Verbindung in das Wasserstoffperoxid (H2O2 ) begünstigt, das dann zu anderen Sauerstoffradikalen weiterreagieren kann (Abb. 1). Diese gehen in Gegenwart von Umweltschadstoffen, mit denen der menschliche Körper ja ständig in Berührung kommt, weitere Radikalverbindungen (R.) ein.

Eine Anhäufung solcher radikalen Verbindungen ist für den oxidativen Stress verantwortlich.

Schwermetalle gehören dabei zu den wichtigsten zellulären Stressfaktoren, die nicht nur oxidativen Stress erzeugen, sondern auch die für das Überleben der Zellen wichtigen antioxidativen Schutzmechanismen hemmen, bzw. sogar verbrauchen.

 

Tab. 1  Quellen dieser sogenannten reaktiven O2-Spezies (ROS) :

  • Krebserregende Substanzen
  • Rauchen
  • Schwermetallbelastung (Quecksilber, Cadmium, Palladium, Zink, Blei, usw.)
  • Ozon
  • UV-Licht
  • Alkohol
  • Medikamente
  • chronische Entzündungen
  • chronischer Stress
  • Erhöhter Sauerstoff-Umsatz

Die Radikalbildung und damit der oxidative Stress wird vor allem durch die zunehmende Belastung durch Umweltschadstoffe, veränderte Ernährungsbedingungen (z.b. Fertiggerichte) und Genußkonsum (z.B. Zigarettenrauch) erheblich verstärkt.

Verschiedenste Erkrankungen werden heute mit dem oxidativen Stress in Zusammenhang gebracht.

Zu ihnen gehören

Atherosklerose und koronare Herzerkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder neurodegenerative Erkrankungen (Parkinson, Alzheimer), Schädigungen der Erbsubstanz, Tumorentstehung oder generelle Alterungsprozesse.

 

Abb.1 Entstehung von oxidativem Stress

 

1.2. Mechanismen der Zerstörung durch ROS

Viele dieser reaktiven Sauerstoffverbindungen können unglücklicherweise Großmoleküle des menschlichen Körpers, wie beispielsweise Fette, Eiweiße oder Nukleinsäuren - aus letzteren wird die menschliche Erbinformation (DNS) gebildet - und andere lebenswichtige Stoffe im menschlichen Körper ungünstig verändern. Diese Vorgänge kann man sich als Kettenreaktionen vorstellen, bei denen immer mehr reaktive Radikalverbindungen entstehen und weiterreagieren.

Am Beispiel von vielfach ungesättigten Fettsäuren, die zu den Hauptbestandteilen von Zellmem-branen gehören, soll die zerstörerische Wirkung von Radikalen beschrieben werden. Diese als ”Lipidperoxidation” bezeichnete Reaktion führt zu einer veränderten Durchlässigkeit der Zellmembranen, die ja verantwortlich für den Austausch von Nährstoffen in und aus der Zelle sind, und letztlich über den Zusammenbruch des Nährstoffaustausches zur Zerstörung der Zelle.

Atherosklerose, rheumatische Erkrankungen, Diabetes,  verschiedene Lebererkrankungen, Krebs aber auch das Altern werden auf diese oxidative Zerstörung der Zellmembran zurückgeführt.

Im Verlauf der Peroxidation wird durch die Zerstörung der Fettsäureketten  Malondialdehyd gebildet, das als spezifischer Indikator für eine erhöhte Fettsäurezerstörung durch den Einfluß von Sauerstoffradikalen gilt.

 

Abb.2 Mechanismus der Lipidperoxidation und die Bildung von nachweisbaren Abbauprodukten

 

Die radikalen Abbauprodukte der Lipidzerstörung können wie alle anderen Sauerstoffradikale zu einer  Schädigung der Erbinformation führen oder Aminosäuren, die als Bausteine für die Eiweiße fungieren, verändern.

Im Falle einer Schädigung der Erbinformation hat der menschliche Organismus zwar Reparaturmechanismen entwickelt, die diesen zerstörerischen Angriffe aber nur bis zu einem gewissen Grad entgegenwirken können. Vor allem bei zunehmenden Alter nimmt die Effizienz dieser Reparaturmöglichkeiten immer mehr ab.

Die Folgen sind:

·         Störungen in der Vermehrung der Erbinformation durch Brüche in der Kette und durch Mutationen, d.h. durch Veränderungen in der Zusammensetzung der Information

·         die Entstehung von Krebsformen. 

Als Maß für die oxidative Belastung und die Effizienz des Reparatursystems wird heute eine Substanz verwendet, die bei dem oxidativen Angriff auf die Erbinformation vermehrt entsteht und im Urin nachgewiesen werden kann, 8-Hydroxy-Desoxyguanosin (8-OHdG). Diese oxidative Veränderung kann man auch vor einer Ausscheidung direkt zellulär in den Lymphozyten des periphären Blutes messen als 8-oxo-Guanin.

 

1.3. Mechanismen der Abwehr von radikalen Sauerstoffverbindungen

Da der menschliche Organismus ständig in verschieden hohem Maße reaktiven Sauerstoffverbindungen ausgesetzt ist, gibt es ein komplexes Abwehrsystem, in das eine Menge von sog. Antioxidantien eingebunden sind (Abb.3).

In diesem Zusammenhang spielt das schon bereits angesprochene Enzym Superoxidismutase eine bedeutende Rolle, weil es Sauerstoffradikale in das ungefährlichere Wasserstoffperoxid umwandeln kann, welches dann durch zwei weitere Enzyme, Glutathionperoxidase und Katalase in Sauerstoff und Wasser abgebaut wird.

Die Aktivität der Glutathionperoxidase ist dabei abhängig von der genügend hohen Bereitstellung von Glutathion.

Um die Reaktion erfolgreich in Richtung Glutathionperoxidase zu verschieben sind weitere Antioxidantien oder Radikalfänger notwendig, die z.T. über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Zu ihnen gehört auch das Vitamin E, das den Abbau vielfach ungesättigter Fettsäuren in den Membranen durch radikale Sauerstoffverbindungen verhindert kann. Durch die Reaktion an den Membranen mit peroxidierten Fettsäuren wird Vitamin E selbst zu einem Radikal. Dieses kann aber wiederum durch Vitamin C, b-Carotin, Ubichinon oder andere Antioxidantien regeneriert werden.

 

Abb.3 Abwehrmechanismen des oxidativen Stresses

 

1.4. Labordiagnostische Untersuchungen zur Aufdeckung von oxidativem Stress

Heute ist die Labordiagnostik in der Lage, festzustellen, in welchem Maße oxidativer Stress den menschlichen Organismus belastet und welche Schäden bereits aufgetreten sind.

a.   Oxidative Zerstörung:

Durch die kombinierte Messung verschiedener Biomarker können genaue Angaben über die Stufe des oxidativen Stress beim Patienten gegeben werden. Es kann dadurch das Risiko einer oxidativen Zerstörung und die Vorsorgestrategien, die eine weitere Schädigung verhindern können, aufgezeigt werden.  So wird durch die Messung der Abbauprodukte der Lipidperoxidation die Zerstörung zellulärer Membranen und cardiovaskulärer Lipoproteine umschrieben, während die Messung von 8-Hydrodeoxyguanosin die oxidative Zerstörung innerhalb der Zellen, d.h.der Erbinformation angezeigt.

Malondialdehyd          5 ml EDTA – Blut          Normwert  0,36 – 1,42µmol/l

4-Hydroxynonenal    5 ml EDTA – Blut          Normwert  kleiner als 50 nmol/l

            Beides sind Hauptabbauprodukte bei der Oxidation mehrfach ungesättigter Fettsäuren, wie sie hauptsächlich in LDL zu finden sind. Hohe Konzentrationen lassen eine erhöhte Lipidperoxidation und oxidativen Stress annehmen und korrelieren mit einem erhöhten Risiko an Diabetes, Herzerkrankungen und anderen altersabhängigen Erkrankungen. Es kann auch ein Zusammenhang mit einem reduzierten Antioxidantienspiegel bestehen.

8-Hydroxy-deoxyguanosin (8-OHdG)   10 ml Morgenurin

8-oxo-Guanin             10 ml Na-Heparinvollblut

            Dieser Parameter zeigt am besten den Grad der oxidativen Zerstörung innerhalb der Zelle, d.h. in der Erbinformation, damit können mögliche Mutationen und somit das Risiko für die Bildung von Krebs dargestellt werden. 8-OHdG ist das durch oxidativen Stress veränderte Guanosin, ein Baustein der DNA, das vom Reparaturmechanismus erkannt, ausgeschnitten wurde und über den Urin ausgeschieden wird. In der Regel funktioniert der Reparaturmechanismus sehr gut, aber bei dauerhaft erhöhten oxidativem Stress ist eine ernsthafte Schädigung der Erbinformation nicht ausgeschlossen.

           

           

b.   Antioxidative Kapazität

Gesamt-Antioxidantien-Status (TAS)  5 ml Serum       Normbereich 1,3 – 1,7 mmol/l

Die gesamte Menge und Aktivität der Antioxidantien im Serum setzt sich aus ca 57% Albumin und Harnsäure, 9% Vitamin C und ca. 34% aus Vitamin E, Bilirubin, ß-Carotin und anderen nicht identifizierten Antioxidantien, aber auch Flavonoiden zusammen.

Die TAS ist abhängig bon der aktuellen oxidativen Belastung und der Summe der antioxidativen Schutzmechanismen. Ein niedriger TAS-Wert kann auf eine erhöhte Produktion von Radikalen oder auf niedrige Antioxidantienwerte zurückgehen, was durch chronische Erkrankungen wie Diabetes, falsche Ernährungsgewohnheiten, erhöhte Umweltgifte oder Rauchen ausgelöst werden kann.

Glutathionperoxidase  5 ml EDTA-Blut

Die Glutathionperoxidase ist ein für die Entgiftung der reaktiven Sauerstoffspezies wichtiges selenabhängiges Enzym. Es baut v.a. Hydroperoxide, zu denen Wasserstoffperoxid ebenso wie Lipidhydroperoxide aus den Menbranen gehören zu unschädlichen Verbindungen ab. Da die Aktivität der Glutathionperoxidase durch Vorliegen von Sauerstoffradikalen angekurbelt wird, können hohe Werte ein Hinweis auf oxidativen Stress sein.

Glutathionreduktase  5 ml Serum

Die Glutathionreduktase ist ein Enzym, das das beim Abbau von reaktiven Sauerstoffspezies oxidierte Glutathion wieder regeneriert und das aktive Glutathion für die Entgiftung so wieder bereitstellt. Bei hohem Glutathionverbrauch steigt auch der Umsatz von Glutathionreduktase.

Glutathionsystem 2 ml Blutplasma oder 5 ml EDTA-Vollblut

Glutathion ist die wichtigste reduzierende Substanz in den Zellen. Eine große Rolle spielt Glutathion bei der Entgiftung von Pilzgiften (z.b. Aflatoxine), Aldehyden, aromatischen Kohlenwasserstoffen und Pestiziden. Bei der Oxidation von Glutathion entsteht eine Schwefel-Schwefelverbindung aus zwei Glutathionmolekülen, das durch die Glutathionreduktase  wieder rückreduziert wird. Glutathion wird u.a. als wichtiger Faktor gebraucht, der die Toxine bindet um sie besser zu entgiften.

Glutathiondefizite treten auf, wenn die Vorstufen zur Produktion von Glutathion (Glycin, Glutamin oder Cystein) in zu geringen Mengen vorhanden sind, wenn ein Vitamin B12 Mangel, Schwermetallbelastung oder verstärkte Entgiftungsreaktion mit Verbrauch von Glutathion vorliegt.

Superoxiddismutase  5 ml EDTA-Blut

Superoxiddismutase ist wesentlich für die Elimination von Superoxidradikalanionen, der wichtigsten radikalen Sauerstoffverbindung, verantwortlich. Es gibt verschiedene Untergruppen von Superoxiddismutasen, die in unterschiedlichen Teilen des Körpers zu finden sind und sich dadurch unterscheiden, daß sie für ihre Aktivität verschiedene Metallionen benötigen. Die einen sind abhängig von der Anwesenheit von Kupfer und Zink, andere wiederum von Mangan.

Vitamin E 2ml Serum

Vitamin E ist eines der wichtigsten fettlöslichen Antioxidantien, die nicht im Körper gebildet werden, sondern zugeführt werden müssen. Vitamin E gibt an die radikalische Fettsäure ein Wasserstoffatom ab und beendet so die Lipidperoxidation vielfach ungesättigter Fettsäuren. Das so radikalisierte Vitamin E wird seinerseits wieder durch Vitamin C regeneriert.. Vitamin E wirk daher vorsorgend gegen Herzerkrankungen, diskutiert wird auch ein möglicher positiver Einfluß auf die Krebsprävention.

 

Carotenoide

Normwerte im Blut

 

Carotenoide

Normbereich

ß-Carotin

150 – 1250 µg/l

a-Carotin

54 – 489 µg/l

Lutein/Zeaxanthin

159 – 660 µg/l

ß-Cryptoxanthin

33 – 509 µg/l

Lycopen

75 – 880 µg/l

Canthaxanthin

0 – 68 µg/l

Die Carotenoide können in sauerstofffreie (a-Carotin, ß-Carotin, Lycopin) und sauerstoffhaltige Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin, ß-Cryptoxanthin), die sog. Xanthophylle, eingeteilt werden. Der Unterschied liegt vor allem in der Hitzestabilität, wobei erstere relativ hitzestabil sind, während Xanthophylle beim Kochvorgang zu 60-100% zerstört werden. Epidemiologische Studien zeigen, daß nicht erhitztes Gemüse eine stärkere antikanzerogene Wikung besitzt, was auf die besondere Funktion der hitzeempfindlichen Xanthophylle in der Krebsprävention hinweist.

Carotenoide wirken als Antioxidantien zum Teil stärker als Vitamin E. Die antioxidative Wirkung  nimmt wie folgt ab:

Lycopen>ß-Cryproxanthin/ß-Carotin>Lutein/Zeaxanthin>a-Carotin

Es gibt Hinweise dafür, daß die Kombination verschiedener Carotenoide den antioxidativen Nutzen verstärkt.

Ubiquinon/Coenzym Q

Ubiquinon ist ebenfalls ein potentes Antioxidans, das in allen Zellmembranen zu finden ist und als Überträger bei der Energiebildung durch den Atmungsprozess fungiert. Es neutralisiert reaktive Sauerstoffverbindungen und hemmt die Lipidperoxidation. Coenzym Q wird teilweise vom Körper synthetisiert, muß aber auch über die Nahrung aufgenommen werden.

Weiter bedeutende Antioxidantien sind Vitamin C, Selen, Zink, Cystein/Methionin, Niacin u.s.w., die im Rahmen von Vitamin- und Mineralstoffuntersuchungen behandelt werden.

c. Prooxidantien

Eisenstatus und Kupferstatus

            Eisen kann in höheren Dosen gerade im Zusammenhang mit Vitamin C prooxidativ wirken

            Es wird von Vitamin C in zweiwertiges Eisen reduziert und kann in dieser Wertigkeit ebenso

wie das zweiwertige Kupfer Wasserstoffperoxid in hochreaktive Hydoxylradikale umsetzen.

 

2. Die Diagose der Leistungsfähigkeit menschlicher Entgiftungssysteme

Der wichtigste eigene Abwehrmechanismus  des menschlichen Körpers sind der Umbau und Abbau von Abfallstoffen aus dem Stoffwechsel ebenso wie von giftigen Substanzen (Toxinen) aus der Umgebung, die vom Menschen aufgenommen werden.

Wenn die Aufnahmesysteme des Körpers, nämlich Haut oder Gastrointestinaltrakt, nicht intakt sind können toxische Chemikalien, Umweltgifte, Endotoxine (giftige Stoffe, die im Magendarmtrakt durch Bakterien entstehen) und andere Substanzen über Nahrung, Haut und Darm vermehrt in den Körper eindringen und somit die Entgiftungsmaschinerie in Gang setzen und belasten. So kommt es zur erhöhten Produktion von freien Radikalen, das heißt zu höherem oxidativen Stress und zu einem erhöhten Risiko einer systematischen Zerstörung des Körpers.

Die Leber ist das wichtigste Entgiftungsorgan in unserem Körper. Hier laufen zwei mit einander verbundene Entgiftungsprozesse ab, die man als Phase I und Phase II - Entgiftung bezeichnet. 

In Phase I werden Substanzen über ein komplexes Enzymsystem (Cytochrom P-450 Komplex) in ihrer Struktur so verändert, daß die Löslichkeit der Substanzen und die Reaktionsbereitschaft mit polaren Verbindungen erhöht wird. Diese Reaktion ist für den weiteren reibungslosen Abbau wichtig, produziert aber selbst eine erhöhte Menge an reaktiven Sauerstoffverbindungen, die giftig für den eigenen Organismus sind. Natürlich können sich die Zellen, in denen diese Reaktionen ablaufen, selbst vor diesen zerstörerischen Verbindungen durch Antioxidantien (Vitamin E, Vitamin C, Glutathion u.a.) schützen.

In der Phase II werden diese reaktiven Substanzen, die bis dahin nur fettlöslich und sehr reaktionsträge waren, in wasserlösliche Formen umgewandelt, die dann leichter eliminiert oder ausgescheiden werden können. Für die verschiedenen Entgiftungsreaktionen sind als Träger Glutathion, Sulfat, Glycin, Essigsäure, Cystein und Glucuronsäure notwendig, über die der Schadstoff nach außen transportiert und über den Urin oder die Gallenflüssigkeit entsorgt wird.

 

Abb 4.  Prinzip der Schadstoffentgiftung

 


Wenn ein Mensch lange genug einer erhöhten Menge toxischer Substanzen ausgesetzt ist, werden die Entgiftungssysteme ständig belastet. Dies führt zwangsläufig zu einem erhöhten oxidativen Stress, ständig hohen Mengen an Cytochrom P-450 Enzymen und einer immer mehr eingeschränkten Phase II - Entgiftungskapazität. Die Folge ist dann die Anhäufung von hochreaktiven radikalischenToxinzwischenproduten im Körper, die zunächst die Zerstörung von essentiellen Fettsäuren, die Lipidperoxidation, und letzlich eine verminderte Energieproduktion einleiten.

Man geht heute davon aus, daß dieser Mechanismus im ursächlichen Zusammenhang mit dem Chronischen Müdigkeitssyndrom (CMS) steht. Dies ist eine chronische Erkrankung, die häufig durch einen Virusinfekt, eine Impfung oder eine Operation ausgelöst wird und durch eine unerklärlich anhaltende oder wiederkehrende Müdigkeit gekennzeichnet ist. Heute bringt man diese Erkrankung sowohl mit einer verschlechterten Funktion der Organe für die Energiegewinnung, den Mitochondrien, ferner oxidativem Stress und der reduzierten Fähigkeit zu entgiften in Verbindung. Gemäß neuer Forschung ist es allem Anschein nach möglich, daß CMS dann entsteht, wenn man in erhöhtem Maße Fremd- und Giftstoffen ausgesetzt ist.

Es gibt nun in einer modernen Labordiagnostik die Möglichkeit festzustellen, ob die Entgiftung in der Leber zufriedenstellend funktioniert, was von mehreren Seiten betrachtet werden kann. Einerseits ist eine funktionelle Überprüfung der einzelnen Entgiftungsphasen möglich, andererseits kann die Aktivität der einzelnen Enzyme, die in dem Entgiftungsmechanismus aktiv sind, getestet werden.  Schließlich bieten noch genetische Tests die Möglichkeit, genetische Komponenten der Empfindlichkeit gegen Umwelterkrankungen zu untersuchen.

Heute ist bekannt, daß Umweltchemikalien und Fremdstoffe nicht von jedem Menschen gleich schnell und gut verstoffwechselt und entgiftet werden und daß auch die Anfälligkeit zur Tumorbildung individuell unterschiedlich ist. Dies ist auf geringe Veränderungen in der genetischen Erbmasse, den Genen, die auch für die Bildung und Aktivität der Entgiftungsenzyme verantwortlich sind, zurückzuführen. Derartige Veränderungen auf molekularer Ebene können heute in der Routinediagnostik analysiert werden und entsprechend in die Behandlung einer Störung im Entgiftungssystems einbezogen werden.

2.1. Funktionelle Tests

Der Vorteil dieser Funktionstests liegt darin, daß keine Blutabnahme erforderlich ist und sie einfach zu handhaben sind.

DETOX-Test:      Urinprobe gesammelt in Spezialröhrchen 5 Stunden nach Coffeineinnahme

nach einer 24-stündigen koffeinfreien Diät unter Vermeidung von bestimmten Nahrungsmitteln wird Koffein und über Cytochrome und die N-Acetyltransferase 2 verstoffwechselt. Die Mengen der im Urin bestimmten Metaboliten stellen ein Maß für die Aktivität von vier Detoxifikationsenzymen der Phase I und II dar. 

Coffein - Clearance:        2 Speichelproben 2 und 14 Stunden nach Coffeineinnahme

Über diesen Test wird die Funktion des Entgiftungssystems I, das heißt die Oxidation von Fremdstoffen und Giften aus Lebensmittelbestandteilen und -zusätzen, Medikamenten, Umweltgiften u.a. in der Leber überprüft. Bei starker Beanspruchung ist die Aktivität der dazugehörigen Enzyme sehr hoch.

Coffein wird aufgenommen und über das Entgiftungssystem I verstoffwechselt. Im Speichel kann dann die Konzentration des Coffeins und dessen Abbaugeschwindigkeit gemessen werden. Schnellerer Abbau weist auf stärkere Belastung durch Umweltgifte oder medikamente hin, während langsamerer Abbau auf eine Schädigung der Leberzellen hinweist, was ebenfalls durch Umweltgifte geschehen kann.

Benzoat - Clearance:       Urinprobe gesammelt über 4 Stunden nach Benzoateinnahme

Durch den Entgiftungsschritt II werden fettlösliche Umweltgifte und andere Fremdstoffe durch verschiedene Enzyme in der Leber wasserlöslich gemacht, indem sie an Substanzen wie Glutathion, Sulfat, Glycin, Essigsäure u.a. gebunden und über die Niere ausgeschieden werden.

Benzoesäure, zusammen mit Coffein eingenommen, wird an Glycin gebunden und bildet damit eine neue Substanz, die Hippursäure, die dann im Urin bestimmt wird. Verminderte Hippursäureausscheidung kann einerseits auf Umweltbelastung, andererseits auf das Fehlen der Bindungspartner Glycin, Glutathion o.a. hinweisen. Aber auch erhöhte Ausscheidung der Hippursäure kann eine erhöhte Belastung durch Umweltschadstoffe andeuten.

2.2. Genetische Tests

Derzeit ist die genetische Analyse verschiedener  Schadstoffabbauwege in der Leber möglich, wobei das Cytochrom-P450-System, die Glutathion-S-Transferasen und die Acetyltansferase am besten untersucht sind.

Für die Untersuchung genetisch prädisponierender Faktoren für eine eingeschränkte Entgiftungsfunktion ist pro Test 2 ml EDTA-Blut notwendig. Inzwischen ist es aber auch bereits möglich, die Tests mit einer speziellen Rachenspüllösung, bzw. Schleimhautabstrich durchzuführen.

Cytochrom P 450 Polymorphismus für die Varianten CYP 1A1, CYP1A2, CYP2A6, CYP2D6, CYP2E1, CYP2C9, CYP2C19 und CYP 2E1

In der genetischen Analyse verschiedener Cytochrom P450-Varianten kann festgestellt werden, ob der Patient eine eingeschränkte Entgiftungskapazität der Phase I bereits in seinem Erbgut trägt. Cytochrom P450 1A1 zum Beispiel besitzt eine wichtige Funktion in der Entgiftung von Dioxin, PCB oder Benzapyrene, die hoch giftige oder sogar kanzerogene Eigenschaften haben.

Glutathion-S-Transferase Gentests für die Varanten GST-M1, GST-P1 und GST-T1

Die Glutathion-S-Transferase ist an der Entgiftungsreaktion der Phase II in der Leber (und in anderen Organen) beteiligt und hilft dabei, viele Chemikalien, aber auch Schwermetalle wie Cadmium oder Quecksilber durch die Anheftung von Glutathion an den Giftstoff zu entsorgen. Zusätzlich hat die Glutathion-S-Transferase eine wichtige Funktion in der Reduktion von oxidativem Stress in den Zellen. Bei einer durch genetische Vorbelastung verringerten Aktivität kann man sich vorstellen, daß dadurch auch ein erhöhtes Risiko an Krankheiten, wie Leberzirrhose, chron. Bronchitis oder verschiedene Krebsarten hervorgerufen wird. 

N-Acetyltransferase II Gentest

N-Acetyltansferase ist ein Enzym, das in der Phase II-Entgiftung Essigsäure z.B. auf aromatische Amine und andere Schadstoffe überträgt und somit diese abbaut. Dies kann sich im Falle einer reduzierten Aktivität dieses Enzyms bei nachgewiesener genetischer Veränderung in einem erhöhten Risiko für Karzinombildung auswirken.

1.3. Tests zur enzymatischen Wirkung

Glutathion S-Transferase Typ alpha (2 ml Serum), theta (2 ml EDTA), pi (2 ml EDTA)

Die Glutathion-S-Transferase ist entscheidend an der Entgiftung von aufgenommenen Fremd- und Giftstoffen in der Phase II beteiligt. Die Glutathion-S-Transferase überträgt Glutathion auf den Schadstoff, der dann ohne Probleme über Urin und Galle ausgeschieden werden kann. Die Glutathion-S-Transferase besteht aus einer Reihe von unterschiedlichen Formen, die jeweils unterschiedliche Schadstoffe eliminieren können. Niedrige GST-Werte können entweder durch einen genetischen Mangel (s.o.), fehlende Schadstoffbelastung oder länger anhaltende hohe Schadstoffbelastung erklärt werden. Erhöhte Werte gehen meist einem erhöhten Aufkommen von Schadstoffen einher.

 

3. Wie erkennt  man Vitamindefizite?

Vitaminanalysen gewinnen zunehmend an Bedeutung, da Vitamine eine wichtige Rolle in Abwehrmechanismen (z.b. gg. oxidativen Stress) und Körperfunktionen spielen.

In der Beurteilung der Vitaminversorgung der Bevölkerung werden häufig sehr kontroverse Strandpunkte vertreten. Während die einen davon ausgehen, daß es bei unseren heutigen Lebensbedingungen praktisch keine Vitaminmangelerscheinungen mehr gibt, weisen Autoren zunehmend auf mehr oder weniger starke Versorgungslücken bereits bei größeren Bevölkerungseinheiten hin.

Mögliche Einflußfaktoren für diese unterschiedlichen Bewertungen sind einerseits die Orientierung an unterschiedlichen Mangelstadien, auseinandergehenden Grenzwertfestlegungen und analytische Methodenunterschiede.

Aufgrund eines reduzierten Vitaminangebots wird im Falle vieler Vitamine auf die Körperdepots zurückgegriffen. Um der zunehmend verminderten Vitaminverfügbarkeit entgegenzuwirken, wird zunächst die Vitaminkonzentration im Blut erniedrigt und die Vitaminausscheidung im Urin reduziert. Dann wird die Bildung von stoffwechselaktiven Vitaminstufen erniedrigt, was sich ebenfalls in sinkenden Blut- und Urinwerten niederschlägt. Im weiteren Verlauf führt dies zur Aktivitätsabnahme der Enzyme und Hormone, die abhängig von Vitaminen sind. Erst jetzt findet man erste Anzeichen von Veränderungen im Stoffwechsel und äußerlich sichtbaren Veränderungen, die aber sehr häufig unspezifisch sind. Erst bei schweren Mangelzuständen entstehen pathologische Veränderungen, die einem bestimmten Enzymmangel zuzuordnen sind. Wenn zu diesem Zeitpunkt keine Vitaminergänzung begonnen wird, können diese Schäden irreparabel werden.

Zur Bestimmung von Vitaminmangel - Erscheinungen stehen uns verschiedene Analyseverfahren zur Verfügung:

- Die Konzentration von Vitaminen bzw. Metaboliten  wird in biologischem Material wie Vollblut, Serum, roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, Urin, Liquor und Gewebe gemessen

- Indirekte Tests berücksichtigen Funktionen wie Enzymaktivität, die mit dem Status von verschiedenen Vitaminen in direktem Zusammenhang stehen

Um tatsächliche Anhaltspunkte über den Vitaminstatus zu erhalten, müssen verschiedene Vitamine in verschiedenen biologischen Materialien bestimmt werden. So sind die Vitamine B6, Biotin, Nicotinamid, Pantothensäure und Vitamin C in Blutserum und den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen,  weitgehend gleich verteilt, während Thiamin, Riboflavin und Folsäure vorrangig in den Erythrozyten vertreten sind. Vitamin B12 und fettlösliche Vitamine A und E sind hauptsächlich in bestimmten Organen und Geweben zu finden, stehen jedoch mit dem Blutserum in Gleichgewicht, so daß eine Bestimmung in diesem bevorzugt wird.

Prinzipiell würde auch die Bestimmung im Urin den Vitaminhaushalt wiedergeben, jedoch bewirken nahrungsbedingte Einflüsse aber auch Urinsammelfehler zu erheblichen Fehlbestimmungen.

3.1. Vitaminstatus im Serum/Vollblut

DieProbennahme sollte morgens vor dem Frühstück und vor eventueller Medikamenteneinnahme

stattfinden und das Blut aus der ungestauten Vene entnommen werden. Hämolyse ist zu vermeiden. In der folgenden Aufstellung kann man die notwendigen Maßnahmenfür die einzelnen Vitamine entnehmen. Das Material zur Urinbestimmung sollte grundsätzlich lichtgeschützt versendet werden!

 

Vitamin

Material

Normwerte

Vitamin A

Serum

200 - 1000 µg/l

beta-Carotin

Serum

150 - 1250 µg/l

Vitamin B1

Vollblut

 

  Thiamin

 

< 5,0          µg/l

  Thiaminpyrophosphat

 

30 - 90       µg/l

Vitamin B2

Vollblut

 

  FAD

 

125 – 200   µg/l

  Riboflavin

 

2 - 15         µg/l

Vitamin B6

Vollblut

 

  Pyridoxalphosphat

 

5 - 30         µg/l

Vitamin B12

Serum

200 - 950   pg/ml

Vitamin C/Ascorbinsäure

Li-Heparin-Blut, l

2 - 14         µg/ml

Folsäure

Serum

3,6 - 16,9   µg/ml

Vitamin E/Tocopherol

Serum

5 - 16         mg/l

Biotin

Serum

>200          ng/l

 

3.2. Funktionelle Tests für Vitamine

  • Homocystein entsteht bei der Umwandlung von der Aminosäure Methionin in Cystein. Die enzymatische Umwandlung geschieht abhängig von Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure. Ein erhöhter Homocysteinwert findet sich bei Mangel dieser Enzyme und ein erhöhter Homocysteinwert gilt als Risikofaktor für Arterosklerose.
  • Kryptopyrrol ist eine mögliches Nebenprodukt, das bei der Synthes von Hämoglobin erratisch entstehen kann. Es besitzt die Eigenschaft Vitamin B6 und Zink zu komplexieren, der Komplex wird über den Urin ausgeschieden und so kommt es zu einem ständigen Entzug von Vitamin B6 und Zink, dem therapeutisch begegnet werden sollte, um Mangelzustände auszuschließen
     
  • Vitamin B12:
    In einem Funktionstest, dem sog. Schillingtest, wird 1 mg Vitamin B12 eingenommen, wonach im Blut der Vitaminspiegel ansteigen muß. Bei fehlendem Anstieg wird dieser Test mit zusätzlicher Einnahme von Intrinsic factor, das die Aufnahme von Vitamin B12 über den Magendarmtrakt unterstützt, wiederholt. Auf diese Weise kann auch eine mögliche Aufnahmestörung analysiert werden.
    Bei Vitamin B12-Serumwerten von  unter 100 pg/ml kommt es zusätzlich zu einer meßbar erhöhten Ausscheidung der Methylmalonsäure im Urin
     
  • Folsäure:
    Zur Beurteilung des Folsäurestatus eignet sich zudem die sigenannte FIGLU - Ausscheidung nach Histidinbelastung. Da der Abbau von Histidin Folsäure-abhängig ist, erhöht sich die FIGLU-Ausscheidung im Urin bei Folsäuremangel.
  • Transketolase-Aktivität in den roten Blutkörperchen  ist ein Indikator für einen Vitamin B1-Mangel, da Vitamin B1 das Coenzym der Transketolase ist, einem Enzym, das beim Zuckerabbau des Körpers beteiligt ist.
     
  • Vitamin B2:
    Funktionsstörungen können mit der Messung der Glutathionreduktase (GR)  aufgedeckt werden, deren Coenzym Riboflavin oder Vitamin B2 ist. Die GR ist beteiligt an der Regeneration von verbrauchtem Glutathion, das in der  Abwehr von Sauerstoffradikalen im Körper beteiligt ist.
     
  • Vitamin B6:
    Durch einen Funktionstest, bei dem man 5 g Tryptophan einnehmen muß, wird dessen Abbau über Enzyme, die Transketolase-Aktivität in den roten Blutkörperchen  ist ein Indikator für einen Vitamin B1-Mangel, da Vitamin B1 das Coenzym der Transketolase ist, einem Enzym, das beim Zuckerabbau des Körpers beteiligt ist.
     
  • Vitamin B2:
    Zelluläre Funktionsstörungen können mit der Messung der erythrozytären Glutathionreduktase (GR)  aufgedeckt werden, deren Coenzym Riboflavin oder Vitamin B2 ist. Die GR ist beteiligt an der Regeneration von verbrauchtem Glutathion, das in der  Abwehr von Sauerstoffradukalen im Körper beteiligt ist.

 

4. Mineralstoff- und Spurenelementprofil

Durch bewußte oder unbewußte Fehl- und Mangelernährung wird die Entstehung von Krankheiten beeinflußt, die heute an der Spitze der Todesursachen in industrialisierten und hoch entwickelten Gebieten unserer Welt liegen. Unsere heutigen Eßgewohnheiten und die hochentwickelten Lebensmitteltechnologien lassen zunehmend eine Diskrepanz zwischen Bedarf und tatsächlicher Aufnahme lebensnotwendiger Stoffe entstehen.

In diesem Zusammenhang ist neben den Vitaminen die Zusammensetzung der Mineralstoffe und die sog. Spurenelemente im Körper von großer Bedeutung. Obwohl sie nur etwa 0,01% des Körpergewichtes ausmachen, ermöglichen und erhalten Spurenelemente zusammen mit Mineralstoffen das Leben. Von neun Elementen weiß man, daß sie für den Menschen unbedingt lebensnotwendig sind, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Jod, Molybdän, Chrom, Selen, zumindest weitere drei, Fluor, Vanadium, Silizium, sind ebenfalls lebensnotwendig. Andere wieder sind bereits in Spuren schädlich. Zu ihnen gehören Blei, Quecksilber, Cadmium und Arsen.

Da die sog. essentiellen Mineralstoffe vom menschlichen Körper nicht selbst synthetisiert werden können, ist er auf eine ausreichende und ständige Zufuhr durch die Nahrung angewiesen. Ein Mangel kann für Funktionsstörungen und Krankheiten verantwortlich sein - ein Überfluß kann oft sogar toxische Wirkung haben. Weitgehend unbekannt war bisher in vielen Fällen die gegenseitige Beeinflussung der Spurenelemente.

Moderne Verfahren der analytischen Chemie, wie beispielsweise flammenfreie atomare Absorptionsspektroskopie oder Analyse mittels Neutronenaktivierung sind in der Lage Spurenelemente bereits in Konzentrationen von unter 0,1 Millionstel zu unterscheiden. Um ein aussagekräftiges Bild des Elemetstatus erlangen zu können, muß darüber entschieden werden, aus welchem Teil des Körpers die Analyse erfolgen soll.

Beim lebenden Patienten steht normalerweise nur eine eher geringe Auswahl an Möglichkeiten zur Probennahme zur Verfügung. Blei sollte eigentlich am besten in den Knochen, Kadmium in der Leber oder den Nieren bestimmt werden. In der täglichen Praxis gibt es aber nur sehr beschränkt die Möglichkeit, spezifisch Körpergewebe zu entnehmen, obwohl der Hauptteil der Mineralstoffe im Inneren der Zellen zu finden ist.

In der täglichen Routine werden deswegen andere weniger invasive Methoden der Analyse vorgezogen, die eine weniger aufwendige Probennahme verlangen. Zu nennen wären Blutuntersuchungen in Plasma und Vollblut und Urin. Jede dieser Untersuchungen zeigt uns unterschiedliche Zustände der Mineralzusammensetzung im Körper an.

Die Blutanalysen reflektieren den aktuellen Mineral-Stand in und außerhalb der Zellen, während im Urin nur die Mineralien zu finden sind, die gerade ausgeschieden werden, was den Urin eher begrenzt einsetzbar macht.

Mineralien und ihre wichtigsten Bestimmungsmaterialien

  • Aluminium  Plasma/ Urin
  • Blei Vollblut/ Urin
  • Cadmium Urin/  Vollblut
  • Chrom Urin/ Serum
  • Cobalt Urin
  • Eisen Serum, (Serumferritin, Eisenbindungskapazität, freie Eisenporphyrine)
  • Gold Nägel/ Haare/ Urin/ (Plasma)
  • Kupfer Plasma/ Haare/ (Sammelurin)
  • Mangan Plasma/ S.urin/ Stuhl/ Haare
  • Molybdän Plasma/ Urin/ Haar
  • Nickel Urin/ Plasma/ (Haar)
  • Palladium Urin/ Haar/ Vollblut
  • Platin Urin/ Plasma/ Haare
  • Quecksilber Vollblut/ prox.Haare/Urin
  • Selen Plasma/ Urin/ Haar/ Glutathionp.
  • Strontium Urin/ Haare
  • Thallium Urin/ Faeces/ Haare
  • Titan Urin
  • Zink Urin, Haare

 

4.1. Die Blutanalyse

Je nach diagnostischer Fragestellung können repräsentative Proben des Organismus untersucht werden. Üblicherweise ist das Blut deswegen ein geeignetes Untersuchungsmaterial, weil es ein Transportmedium zwischen allen Teilen des Organismus darstellt und Signalcharakter für biochemische Veränderung auch in schwer unzugänglichen Organen haben kann. Trotzdem stößt die Aussagekraft von Mineralbestimmungen im Blut auf Grenzen, da das Blut eben nur bedingt einen Ausgleichs- und Balance-Indikator für den laufenden Austausch an Spurenelementen zwischen den verschiedenen Organen darstellt.

So zeigt ein manifester Zinkmangel zunächst über längere Zeit keine Veränderungen im Blut, da Muskel und Knochengewebe reichliche Reserven anhäufen, auch wenn sie keine wirklichen Speicherorgane haben. Andererseits kann durch operative Eingriffe, größere Wunden oder Verbrennungen zu schnellen, aber kurzfristigen Zinkveränderungen im Blut führen.

Eine Mineraluntersuchung im Blut zeigt also in erster Linie den durchschnittlichen Versorgungsstatus und Verbrauchsrate von Spurenelementen und Mineralstoffen an und nicht so sehr die genauen Mengenverhältnisse in den einzelnen Organen.

Die Analyse im Blut erfolgt entweder im Plasma, d.h. im farblosen Teil des Blutes, im Vollblut oder den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen Plasma und Serum sind dazu geeignet, um einen aktuellen Stand oder kurzzeitige Veränderungen  darzustellen.

In der Literatur liegen dabei die meisten Messungen für Mineralstoffkonzentrationen in Serum und Plasma vor, so daß sich die Messungen auf relativ genaue Normwerte stützen können

Ein relativ aussagekräftiger Parameter ist die Bestimmung von Mineralien in den Erythrozyten, die wegen ihrer mittleren Lebensdauer von etwa 120 Tagen auch chronische Verluste und Mangelzustände widerspiegeln könnem.

Probennahme:

Bei medizinische Untersuchungen in biologischem Material kommt es auch auf eine richtige Probennahme an. Denn trotz der geringen Konzentration der Mineralien im menschlichen Körper  sollten Verunreinigungen, soweit möglich, v.a. bei Substanzen, die in der Natur allgegenwärtig sind, ausgeschlossen werden. Zu ihnen gehören Zink oder Kupfer, aber auch Mangan und Chrom. Zur Abnahme dieser Parameter gibt es spezielle Metallanalytikprobennahmesets, die Kontaminationen während der Probennahme nahezu ausschließen.

 

Calcium, Kupfer, Fluor, Selen Verunreinigungsgefahr gering
Aluminium, Chrom, Kobalt, Mangan, Zink Verunreinigungsgefahr hoch durch Luft, Staub, Blutentnahme, Bearbeitung,Lagerung, Versand
Eisen, Magnesium, Mangan, Kalium, Molybdän, Zink Hämolyseeffekte
Eisen, Zink Schwankungen während des Tages
Zink Nahrungsaufnahme (Blutabnahme nüchtern!)

Bereits bei der Blutennahme sollen deswegen Vorsichtmaßnahmen getroffen werden,  größter Wert auf Kontaminationsfreiheit des Abnahmegerätes (teflonbeschichtete Kanülen, Plastikröhrchen) gelegt werden und Hämolyse vermieden werden.

Individuelle Einflußgrößen

Das Mineralprofil kann aufgrund physiologischer Einflüsse wie Alter, Geschlecht, Ernährung, Schwangerschaft schwanken. All diese Faktoren sollten deswegen in Form einer ausführlichen Anamnese in die Beurteilung mit einbezogen werden.

Einflußgrößen Beschreibung
Biorhythmus täglicher und Jahreszeitl. Rhythmus, Menstruationszyklus
Konstitution sportliche Betätigung, Körperlage, Flüssigkeitsverteilung im Körper, Schwangerschaft, Stillen, Wachstum
Krankheiten Stadium der vorliegenden Erkrankung, Therapie, Narkotika, Alkoholkonsum
Ernährung Fasten, Diäten, Verwertungsstörungen
Alter/Geschlecht

Entwicklungsstadien des Kindes, Altersstufen der geschelchtsabh. Stoffwechselfunktionen  (z.B. Pubertät, Wechseljahre)

Medikamente Diuretika

 

Normbereiche der Vollblutanalyse

Aus einem Lithiumheparinblut wird eine Analyse auf Spurenelemente und toxische Metalle durch geführt und dazu ein ausführlicher Sonderbefund erstellt.

 

Element

Normwerte im Plasma

Normwerte in Erythrozyten

Natrium

135 - 144   mmol/l

<5           mmol/l

Kalium

3,7 - 5,7     mmol/l

126 – 144     mmol/l

Calcium

2,15 - 2,6   mmol/l

0,3 – 0,81     mmol/l

Magnesium

0,73 - 1,05 mmol/l

1,80 – 2,60   mmol/l

Zink

70 – 127    µg/dl

1000 – 1500 µg/dl

Eisen

35 – 168    µg/dl

131 – 144     mg/dl

Kupfer

80 – 160    µg/dl

87 – 128       µg/dl

Strontium

10 - 70       µg/l

<10               µg/l

Chrom

0,15 - 0,41 µg/l

0,2 – 0,5       µg/l

Cobalt

0 – 1,         µg/l

0 - 1,4           µg/l

Nickel

0- 1,1         µg/l

2,7 – 5,7       µg/l

Selen

74 – 139    µg/l

85 – 140       µg/l

Mangan

0,3 – 1,3    µg/l

18 - 53         µg/l

Molybdän

0 - 1,3        µg/l

0 - 2             µg/l

Cadmium

0-0,4          µg/l

0 - 1,6          µg/l

Blei

0-300         µg/l

47 - 85         µg/l

Aluminium

2 - 15         µg/l

3 - 15           µg/l

Quecksilber

0,1 - 7,2     µg/l

0,1-7,2         µg/l

Thallium

0 – 0,3       µg/l

0 – 1            µg/l

Platin

0 – 0,1       µg/l

0 – 0,1         µg/l

Silber

0 – 0,3       µg/l

0 – 0,3         µg/l

Titan

0 - 7,7        µg/l

0 - 7,7          µg/l

Gold

0 – 0,3       µg/l

0 – 0,3         µg/l

Palladium

0 – 0,2       µg/l

0 – 0,2         µg/l

Arsen

0 - 10         µg/l

0 – 10          µg/l

 

Die Bedeutung der Spurenelemente

Teil 1: Allgemeine (biochemische) Grundlagen

 

Definition der Spurenelemente

Die Gesamtheit der Elemente der Erde lassen sich in die zwei Gruppen Metalle und Nichtmetalle aufteilen. Höhere Lebewesen wie der Mensch bestehen weitgehend aus Nichtmetallen. Beim Menschen machen die Nichtmetalle Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor, Schwefel und Chlorid 98,1 % des Körpergewichtes aus, während die Metalle nur mit

1,9 % am Aufbau beteiligt sind. Von diesen 1,9 % entfallen aber bereits 1,888 % auf die vier Mineralstoffe (Elektrolyte) Kalium, Natrium, Kalzium und Magnesium. Die eigentlichen Spurenelemente ergeben zusammen nur 0,012 % oder 8,61 g (!) des Körpergewichtes. Aber gerade dieser kleine Bruchteil der Körpermasse beherrscht die biochemischen Abläufe im Organismus in einem früher kaum für möglich gehaltenen Ausmaß.

Das Wissen um die lebensnotwendigen Funktionen von Spurenelementen ist mit Ausnahme von Eisen und Iod noch keine 100 Jahre alt.

Schon die alten Ägypter kannten 3000 v. Chr. die stärkende Wirkung des Eisens. Zu diesem Zwecke tranken sie gegen die "Bleichsucht" das das zum Kühlen von geschmiedeten Eisenteilen benützte Wasser. Bereits 1000 v. Chr. behandelten die Griechen vom Kropf befallene Menschen mit der Asche von Meerschwämmen. Deren hohe Gehalt an Iod wurde aber erst 1819 entdeckt. 100 Jahre später wurde dann der hohe Iodgehalt des Schilddrüsenhormons Thyroxin erkannt.

Im 19. Jahrhundert konnte das Vorhandensein gewisser Elemente mit Hilfe von empfindlichen chemischen Farbreaktionen oder mit der Emissionsspektroskopie zwar nachgewiesen werden, aber nur qualitativ. Auf diese Weise ist das Vorkommen von zahlreichen seltenen Elementen in Lebensmitteln erkannt worden. Zu einer exakten Analyse reichte die Präzision der Methoden jedoch nicht aus. Aus jener Zeit stammt die allgemeine Bezeichnung "Spurenelemente" für Elemente wie Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Molybdän und Iod.

Heute versteht man unter dem Begriff Spurenelement ein Metall oder Nichtmetall, dessen Gehalt im menschlichen Gewebe kleiner als 50 mg pro kg Körpergewicht ist (Tab. 1). Sehr feine, moderne Untersuchungsmethoden wie etwa die Atomabsorptionsspektroskopie (AAS), haben zu dieser viel präziseren Definition wesentlich beigetragen.

 

Spurenelemente sind Mikronährstoffe

Spurenelemente gehören, neben Vitaminen und Mineralstoffen, zu den sogenannten Mikronährstoffen (Tab. 2) . Die Abgrenzung von Makro- und Mikronährstoffen erfolgt zum einen über die Menge, zum anderen über die Funktion. Mikronährstoffe werden in nur sehr kleinen Mengen benötigt und sind weder Energielieferanten noch Baustoffe für die Zellen.

Sie sind jedoch an vermittelnden und steuernden biochemischen Prozessen beteiligt und damit unabdingbare Bestandteile der unzähligen Stoffwechselreaktionen. Spurenelemente müssen, wie die Vitamine und Mineralstoffe, mit der Nahrung ständig aufgenommen werden, weil der Mensch sie nicht selbst herstellen kann.

Spurenelemente sind wie Vitamine absolut lebensnotwendig. Sie spielen eine wichtige Rolle als Zentralatome in bestimmten Proteinen (Eiweiße) und Vitaminen, erfüllen katalytische (steuernde) Funktionen in Enzymen, bestimmen die räumliche Anordnung in Proteinen, aktivieren Hormone, steuern den Ionenhaushalt und sind notwendig für die Hormonsynthese (Tab. 3).

 

Spurenelemente als wichtige Bestandteile anti-oxidativer Enzyme

Die meisten Spurenelemente sind Bestandteile von Enzymen. Einige dieser Enzyme sind hochwirksam bei der Beseitigung von diversen Sauerstoffradikalen oder ihrer Vorstufen und somit für die Gesundheit des Menschen von sehr großer Bedeutung, da sie anti-oxidativ und somit zellschützend wirken (Über die Themen "Freie Radikale - Oxidativer Stress - Anti-Oxidantien - Umweltschadstoffe" wurde in "Gesünder Leben" 4 und 5/1999 berichtet).

Dazu einige Beispiele: In allen Lebewesen enthält die Superoxiddismutase der Mitochondrienmembran in ihrem aktiven Zentrum Mangan-Ionen und die wasserlösliche Superoxisdismutase des Cytoplasmas enthält Kupfer- und Zink-Ionen. Ein eisenhaltiges Enzym, die Katalase, sorgt in der Leber und in jedem einzelnen Erythrozyten dafür, dass die Konzentration an Wasserstoffsuperoxid stets niedrig bleibt. Das wohl wichtigste Enzym zum Unschädlichmachen von bestimmten Freien Radikalen (Peroxide) ist die selenhaltige Glutathionperoxidase, von der es im menschlichen Körper zwei Varianten gibt.

 

Spurenelementmangel am Beispiel des Selen

Aufgrund der leider erst in den letzten Jahren erkannten lebenswichtigen Funktionen der Spurenelemente, vor allem als Bestandteil anti-oxidativer Enzyme, ist einleuchtend, dass ein Mangel zwangsläufig zu einer Vielzahl von Symptomen und Krankheiten führen kann. Viele seriösen Studien, publiziert in anerkannten Fachjournalen, untermauern dies.

Das aktuellste Thema ist die Biochemie des Selens. Über die Erkenntnis, dass Selen lebensnotwenig ist, verfügen wir erst seit wenigen Jahren. Ohne eine ausreichende Selenversorgung ist ein Leben in Gesundheit nicht möglich. Diese Tatsache ist leider über Jahrzehnte hinweg sogar abgeleugnet worden! Da Selen in praktisch allen Geweben enthalten ist, können sich die Folgen oxidativen Stresses bei Selen-Mangel (und gleichzeitigem Mangel an anderen Anti-Oxidantien) durch zahlreiche klinische Symptome äußern: So wurden zum Beispiel die Selengehalte von Blutproben verschiedener Blutbanken aus 27 Ländern untersucht. Man fand heraus, das niedrige Selenspiegel bzw. Selenmangel mit einer erhöhten Krebssterblichkeit korrelierte. Umgekehrt konnte durch gezielte Zufuhr von Vitamin E, Beta-Carotin und Selen im Rahmen der "Linxian-Studie" in China Anfang der neunziger Jahre bei knapp 30.000 Chinesen die Krebshäufigkeit signifikant verringert werden.

Prof. Kuklinski aus Rostock, ein Pionier der Mikronährstoff- und Anti-Oxidantien-Forschung, stellte fest, dass bereits ein 6stündiges Sonnenbad die Lipidperoxidation, also die Zerstörung von Zellmembranen, über einen Zeitraum von 2 (!) Wochen auf das 3fache anheizt. Wurden 14 Tage vor der Sonnenexposition regelmäßig Anti-Oxidantien, unter anderem auch Selen, eingenommen, so wurde die schädigende Radikalbelastung verhindert. Studien bestätigen, dass Herz/Kreislauferkrankungen häufig mit einer Selen-Unterversorgung korrelieren. Entsprechend konnte durch Selen- und Anti-Oxidantien-Zufuhr die Häufigkeit von Todesfällen nach Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert werden.

Die Radio- und Chemotherapie von Krebserkrankungen sowie die Sauerstoff-Therapien führen zu vermehrter Bildung von Radikalen und Peroxiden. Diese Therapien sollten daher nach heutigem Wissen unter begleitendem Anti-Oxidantien-Schutz durchgeführt werden. Selen und andere Anti-Oxidantien sind, vor allem in Kombination, geeignet, die oft gravierenden Nebenwirkungen dieser Therapieformen auf das gesunde Gewebe zu reduzieren.

 

Mikronährstoff-Mangel trotz "ausgewogener" Ernährung

Die Aussage, dass zur Deckung des täglichen Bedarfes an Mikronährstoffen, vor allem der anti-oxidativen Vitamine und Spurenelemente, eine ausgewogene Ernährung ausreiche, ist theoretischer Natur und beruht meist auf "Berechnungen". Diese Aussage ist schlicht und einfach falsch und entspricht vor allem auch nicht den Beobachtungen und Erfahrungen in der täglichen Praxis!

Weitgehend unbeachtet bleibt etwa die Tatsache, dass die Menschen heute mit einer Vielzahl von Umweltschadstoffen konfrontiert sind, wie das vor 20 oder 30 Jahren sicher noch nicht der Fall war.

Routinemäßige Analysen von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen im Blut an einer Vielzahl von kranken wie auch gesunden Menschen (Erwachsene und Kinder!) zeigen einen oft beträchtlichen Mangel an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen (Tab. 4), vor allem auch in Kombination mit einer hohen Belastung an Umweltschadstoffen, z. B. Blei, Cadmium, Quecksilber, Thallium. Auch Personen, die sich "ausgewogen" ernähren, zeigen solche Mangelzustände. Es ist ein Faktum, beweisbar durch Lebensmittel- und Bodenanalysen, dass die Nahrung bzw. Nahrungskette immer weniger (Mikro) Nährstoffe enthält. Demgegenüber steht eben die ständige Zunahme von Schadstoffen in unserer Umwelt.

Dazu ein Beispiel: Analysen in der Nahrungskette durch Prof. Hartfiel, Bonn, ergaben niedrige Selengehalte in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Die Ursachen liegen in Umweltveränderungen. Das wichtige Element Selen kommt in verschiedenen Wertigkeitsstufen vor (Se6+ bis Se2-; dies gibt an, wie sich die Außenelektronen des Selens in chemischen Verbindungen verhalten). Pflanzen können nur Se6+ aufnehmen. Durch Nutzung fossiler Brennstoffe gelangen Rückstände in den Boden, die ihn übersäuern und das Selen in niedrigere Wertigkeitsstufen umwandeln, welche die Pflanzen nicht mehr aufnehmen können. Mit einer Selendüngung kann diesem Mangel übrigens nicht abgeholfen werden. Während für den Menschen nützliche Metalle wie Selen "verarmen", reichert sich die Nahrungskette mit schädlichen Elementen an. Aus dem eben erwähnten Grund, nämlich der Übersäuerung des Bodens, nimmt die Pflanze verstärkt giftige Schwermetalle auf. Hier sei besonders das hochgiftige und krebserzeugende Cadmium genannt.

 

Überdosierung von Spurenelementen schädlich

So wichtig und essentiell die Spurenelemente auch für die Gesundheit des Menschen sind, so muss doch ausdrücklich vor einer Einnahme nach eigenem Guttünchen oder auf "Empfehlung" von Freunden und Bekannten gewarnt werden.

Besonders bei den Spurenelementen ist der Bereich zwischen nützlich und schädlich sehr gering, d. h., schon eine geringfügige Überdosierung kann schädlich und sogar giftig sein. Ein Zuviel ist also genauso schlecht wie ein Zuwenig. Das gilt natürlich auch für andere Mikronährstoffe wie etwa die Vitamine. Vitamin C zum Beispiel gilt als wichtigstes exogenes (von außen zugeführtes) Anti-Oxidans der wässrigen Phase, das mit Superoxidradikalen, Hydroxylradikalen, Singulettsauerstoff und Wasserstoffperoxid unter Betreistellung eines Wasserstoffatoms reagiert. Das entstehende Semihydroascorbatradikal disproportioniert mit einer Halbwertszeit von 0,17 Sekunden zu Vitamin C und Dehydroascorbat. Die Regeneration von oxidiertem Vitamin C erfolgt durch Glutathion. Eine weitere Funktion von Vitamin C liegt in der Regenerierung von

Vitamin E. In Gegenwart von freien Übergangsmetallionen wie Eisen und Kupfer kann Vitamin C allerdings auch prooxidativ wirken und die Bildung der besonders gefährlichen Hydroxylradikale forcieren. Von Bedeutung ist dies bei zu hohen Eisen- bzw. Kupferspiegeln im Blut.

Dieser Hinweis erscheint umso wichtiger, da doch gerade Vitamin C zu denjenigen Vitaminen zählt, die in der Bevölkerung bevorzugt nach Belieben eingenommen werden unter der falschen Vorstellung "Je mehr, umso besser"!

Nur Blutanalysen können Klarheit verschaffen, was man wirklich braucht.

 

Blutanalysen empfehlenswert

Aufgrund der großen Bedeutung der Spurenelemente für die Gesundheit des Menschen aber auch der Gefahren durch eine unkritische Einnahme, ist es empfehlenswert, diese im Blut exakt zu analysieren. Nur so können Mangelzustände nachgewiesen und durch geeignete Präparate ausgeglichen werden. Schädliche Überdosierungen von Mikronährstoffen, vor allem Spurenelemente, können auf diese Weise vermieden werden.

Bedeutung haben solche Analysen sowohl bei der Prävention als auch bei der Therapie von Krankheiten.

Hervorgehoben werden muss, dass jeder Mensch letztlich einen individuellen Bedarf an Mikronährstoffen hat, er ist auch diesbezüglich einzigartig, vergleichbar mit seinem (genetisch festgelegten) Fingerabdruck.

Nur durch eine Analyse kann, unter Berücksichtigung besonderer Lebensbedingungen (Rauchen, Alkohol, Umweltschadstoffe, Arbeitsplatz, etc.), der individuelle Bedarf durch den erfahrenen Arzt festgelegt und entsprechende Präparate verordnet werden.

Obschon in diesem Artikel oft die Rede vom Selen war, so soll das keinesfalls heißen, dass die anderen Spurenelemente weniger wichtig für die Gesundheit des Menschen sind. Deshalb wird in der nächsten Ausgabe insbesondere die Funktionsweise und Biochemie einiger kaum bekannter Spurenelemente wie Germanium, Silizium, Bor und Arsen erklärt.

 

Bücherempfehlungen zum Thema

Bodo Kuklinski, Ina van Lunteren:

Neue Chancen - Zellschutz durch Anti-Oxidantien

LebensBaum Verlag, Bielefeld

ISBN 3-928430-04-1

 

Norbert Fuchs:

Mit Nährstoffen heilen

Reglin Verlag, Köln

ISBN 3-930620-21-

 


SPURENELEMENTE

  • Mangan
  • Kupfer
  • Arsen
  • Molybdän
  • Iod
  • Chrom
  • Zink
  • Selen
  • Bor
  • Silizium
  • Germanium
  • Eisen
  • Fluor

Tab. 1


MIKRONÄHRSTOFFE

  • Vitamine
  • Spurenelemente
  • Mineralstoffe
  • Bestimmte Aminosäuren
  • Fettsäuren
  • Pflanzeninhaltsstoffe

MAKRONÄHRSTOFFE

  • Eiweiß
  • Fette
  • Kohlenhydrate

Tab. 2


WICHTIGE FUNKTIONEN VON SPURENELEMENTEN

  • Zentralatom in bestimmten Proteinen und Vitaminen
  • Steuerung Enzyme
  • Räumliche Anordnung von Proteinen
  • Aktivierung Hormone
  • Ionenhaushalt
  • Hormonsynthese

Tab. 3


Mikronährstoff - Mangel (häufig)

Spurenelemente

  • Zink
  • Kupfer
  • Kobalt
  • Molybdän
  • Eisen (intrazellulär)
  • Chrom

Vitamine

  • Vitamin B-Komplex (B1, B2, B6, B12)
  • Folsäure
  • Vitamin H
  • Vitamin C
     



Teil 2: Silizium, Germanium, Bor, Arsen

 

In der vergangenen Ausgabe von "GesünderLEBEN" wurden einige allgemeine, biochemische Grundlagen über die vielfältigen Funktionen der Spurenelemente beschrieben.

In diesem Beitrag soll nun etwas genauer auf einige eher unbekannte Spurenelemente eingegangen werden und zwar Silizium, Germanium, Bor und Arsen.

 

Silizium

Silizium ist neben Sauerstoff das häufigste Element der Erdrinde (ca. 28%).Sehr spät, und zwar im Jahre 1972, wurde entdeckt, das Silizium in Form von Siliciumdioxid für den Menschen lebensnotwendig ist. Siliciumdioxid wird auch als Kieselerde oder Kieselgur bezeichnet.

Silizium ist aktiv am Verkalkungsprozess der Knochen beteiligt sowie am Aufbau des Bindegewebes und des Knorpel. Beide enthalten bestimmte Schleimsubstanzen, deren Bildung bei Siliziummangel gehemmt ist. Mit zunehmendem Alter nimmt der Gehalt der Arterien und der Haut an Silizium ab. Eine Mangel an Silizium führt unter anderem zu vorzeitigem Altern der Blutgefäße und der Haut. Einige Studien ergaben eine Verarmung der Haut an Silizium bei Neurodermitis.

Durch Silizium wird auch die Kollagenbildung stimuliert. Dabei gibt es einen engen Zusammenhang bzw. eine Kooperation mit Vitamin C. Der Körper eines erwachsenen Menschen enthält ca. 1,4g Silizium.

Viel Silizium sind in ungeschälte Getreidesorten und Kleie enthalten. Auch Bier, Pilze Tomaten und Blumenkohl enthalten, wenn auch in geringerer Menge, Silizium. Zinnkraut ist eine siliziumreiche Heilpflanze.

 

Germanium

Nachdem russische Arbeiten gezeigt haben, dass Germanium tumorhemmende Eigenschaften hat, begann der japanische Hüttenbauingenieur K. Asai in den Fünfzigerjahren, selbst dieses Spurenelement zu studieren. Er entdeckte unter anderem, dass es ebenso wie Silizium Halbleiter-Eigenschaften als Elektronenüberträger hat. Darauf stützt Asai seine Meinung, dass Germanium, selbst in minimalen Mengen zugeführt, positive, sauerstoffsparende Effekte für die menschliche Zelle hat. Es gibt auch Hinweise, dass durch dieses geheimnisvolle Spurenelement eine wichtige Komponente des Immunsystems, und zwar die NK (Natürliche Killerzellen) in ihrer Aktivität gesteigert werden und die Produktion von Interferon steigern. Weiters dürfte es anti-oxidativ wirken, d.h. es kann schädliche Freie Radikale unwirksam machen. Auch werden in einigen Arbeiten von Germanium schmerzstillende, durchblutungs- und potenzfördernde, leberstärkende, tumorhemmende sowie anti-virale Wirkungen angenommen.

Einen besonders hohen Gehalt an Germanium hat Knoblauch, was zumindest eine der Erklärungen für die schon seit alters her bekannten, gesundheitsfördernden Wirkungen von Knoblauch sein dürfte. Weiters kommt Germanium in japanischen Ginseng-Arten, Aloe und Chlorella-Algen vor.

 

Bor

In der deutschsprachigen Literatur über Spurenelemente wird Bor entweder nicht angeführt oder als nicht lebensnotwendig für den Menschen bezeichnet. Nichtsdestotrotz haben amerikanische Studien gezeigt, dass eine tägliche Bor-Zufuhr von 2-3 mg die Calciumaufnahme in die Knochen verbessert und die Kalzium- uns Magnesium-Ausscheidung über die Nieren deutlich reduziert wurde. Damit wurde auf den Magnesium- und Kalzium-sparenden Effekt bei durchblutungsbedingten Herzerkrankungen und postmenopausaler Osteoporose hingewiesen. Bis 1986 (!) war für Bor keine biologische Funktion bekannt. Dann fand man jedoch heraus, dass bei Frauen in der Menopause, die eine niedrige Bor-Zufuhr (ca. 0,25 mg/Tag) haben, die Ausscheidung an Calcium und Magnesium im Harn deutlich erhöht war. Dies gilt als ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Osteoporose und den im Alter gefürchteten Hüftgelenksbrüchen.

Bereits 8 Tage nach einer Supplementierung mit 3mg Bor pro Tag ging die Ausscheidung um 40% zurück. Die weitere Abklärung des zugrundeliegenden, biochemischen Mechanismus ergab, dass Bor ein Enzym stimuliert, welches zur Bildung von Östrogenen und Vitamin D3 notwendig ist. Mit Bor supplementierte Frauen wiesen demnach höhere Hormonspiegel auf. Der Gesamtbestand des Körpers wird mit 48 mg angegeben. Bor kommt besonders in Blattgemüsen, Nüssen und Vollwert-Getreide vor.

 

Arsen

Für die meisten Menschen ist der Name Arsen der Inbegriff für ein Mordgift. Das stimmt auch so, denn ab einer bestimmten Menge wirkt Arsenik als Gift.

Es ist jedoch, wie Selen, ein Halbmetall und dürfte nach neuesten Erkenntnissen für den Menschen ein lebensnotweniges Spurenelement sein. Arsen wird, was Forschungserkenntnisse betrifft, aller Voraussicht nach einen ähnlichen Weg gehen wie Selen, welches früher als giftig, krebserregend und daher unerwünscht galt. Heute weiß man jedoch, dass beim Selen genau das Gegenteil der Fall ist!

Vieles deutet heute auf eine anti-oxidative Funktion des Arsen im menschlichen Organismus hin sowie Wirkungen im Immunsystem und im Blut-Stoffwechsel. Arsenmangel führt zum Beispiel bei Ziegen zu frühzeitigem Tod durch Herzinfarkt. Der Arsen Stoffwechsel ist sehr eng mit jenem von Zink, Cholin, Methionin, Vitamin B6, Taurin und Arginin verknüpft, also Mikronährstoffen, die bekanntermaßen für die Gesundheit des Menschen von überragender Bedeutung sind!

Der menschliche Körper enthält, ähnlich wie Selen, etwa 14 mg Arsen.

Erstaunlich ist der Antagonismus von Arsen und Selen. Beide sind, einzeln und in einer gewissen Dosis verabreicht, ziemlich toxisch. In Mischungen hebt jedoch das eine jeweils die Toxizität des anderen

z. T. wieder auf. Eine eher ungewöhnliche Situation auf dem Gebiet der Toxikologie. Gleiches gilt übrigens für das hochgiftige Cadmium und Methylquecksilber, welche beide durch Selen ebenfalls entgiftet werden.

Relevante Arsengehalte finden sich im Reis, Mais, verschiedenen Obstsorten und vor allem in der Kartoffel.

Für kaum ein anderes Element wie für Arsen gilt der historische Leitsatz des Naturarztes Paracelsus, wonach es die Dosis macht, ob ein Stoff zum Wohle oder zum Schaden des Anwenders wird:

"Die Menge macht das Gift!"

Freie Radikale, Radikal-assoziierte Krankheiten, Umweltbedingte Krankheiten

Jeder Mensch genießt die vielen Annehmlichkeiten und Errungenschaften der "modernen", hochtechnisierten Industrienationen. Vergessen wird dabei aber oft, dass der Preis dafür eine reichlich mit Schadstoffen belastete Umwelt ist. Die Liste und chemische Zusammensetzung dieser Schadstoffe (Xenobiotika) ist lang, ihr Herkunftsort unterschiedlich (Haushalt, Arbeitsplatz, Nahrungskette, Autoverkehr, etc.) (Tab. 1).
Nicht unerwähnt bleiben soll die, sozusagen freiwillig durchgeführte, Belastung und Schädigung des Organismus mit den Schadstoffen des Zigarettenrauchens und eines übermäßigen Alkoholkonsums!

Gesundheitsschäden durch Umweltschadstoffe

Gemeinsam ist allen Umweltschadstoffen jedoch, dass sie beim Menschen zu bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Diese Beeinträchtigungen reichen von allgemeinen Befindlichkeitsstörungen wie Unwohlsein, Müdigkeit, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Gelenks- und Muskelbeschwerden bis hin zu chronischen, zum Teil nicht wieder rückgängig zu machenden Krankheiten (Arteriosklerose, Krebs, Lungenkrankheiten, u.a.).

Neuere Forschungen bei chronischen, umweltbedingten Schadstoffbelastungen ergaben keine Beziehung zwischen Dosis und Wirkung, d.h. körperliche Beschwerden sind nicht umso stärker, je höher die Belastung ist. Entscheidend ist allein die Dauer der Schadstoffwirkung! Auch lässt sich keine Organbezogenheit erkennen. Die gleichen Schadstoffe können bei verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Erkrankungen führen.

Kenntnisse über Schadstoffeinflüsse auf die menschliche Gesundheit werden in der Regel durch Tierversuche erworben. Dies ist aus mehrerlei Sicht sehr problematisch und die Ergebnisse nur sehr bedingt auf den Menschen übertragbar sind. Eine Ratte ist zum Beispiel in der Lage, selbst Vitamin C zu bilden.

Umweltschadstoffe als Radikalbildner

Stoffwechselprozesse im menschlichen Organismus sind nichts anderes als komplexe biochemische Reaktionsabläufe. Dabei entstehen unter anderem auch hochreaktive Moleküle, die als Freie Radikale bezeichnet werden.

Freie Radikale besitzen ein oder mehrere ungepaarte Elektronen und sind deshalb, chemisch gesehen, sehr aggressiv. Sie wirken oxidaktiv ("verbrennend"), neigen zu Kettenreaktionen und können jede beliebige biologische Struktur (z. B. Aminosäuren, Zellmembranen, Erbsubstanz) angreifen, diese schädigen oder gar zerstören. Freie Radikale entreißen dem angegriffenen Atom bzw. Molekül ein Elektron und machen es dadurch selbst zu einem Freien Radikal. Freie Radikale sind also starke Oxidaktien und die durch sie vermittelten Reaktionen Oxidationen, die meist in Form einer Kettenreaktion ablaufen. Die meisten Umweltschadstoffe führen nun zu einer vermehrten Bildung von Freien Radikalen, in der Fachsprache als "Oxidativer Stress" bezeichnet.

Die Medizin kennt nun eine ganze Reihe von Krankheiten, die in einem direkten Zusammenhang mit einem Oxidativen Stress stehen (Radikal-assoziierte Krankheiten) (Tab. 3).

Zellschutz durch Anti-Oxidantien

Prinzipiell setzt der Organismus diesen Oxidationen Reduktionen gegenüber, um so Freie Radikale unschädlich zu machen. Viele Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Glutathion, Cystein, Flavonoide, etc.) wirken reduzierend, indem sie ein Elektron an das Freie Radikal abgeben und es dadurch entschärfen. Man bezeichnet solche Stoffe aus medizinisch-biochemischer Sicht als Anti-oxidantien.

Sie schützen somit die Zelle und letztlich den ganzen Organismus vor Angriffen und damit verbundenen Schädigungen durch Freie Radikale.

Freie Radikale als Helfer und Heiler

Freie Radikale haben aber auch eine wichtige Schutzfunktion im menschlichen Körper. Sie werden von weißen Blutkörperchen (Immunsystem) zur Vernichtung von Bakterien, Viren und entarteten Zellen (Vorstufe Krebs) erzeugt und eingesetzt und sind deshalb, in physiologischen Grenzen, für den Menschen unentbehrlich.

Schädlich ist also nur ein Zuviel an Freien Radikalen.

Biochemisch-labormäßige Diagnostik

Aus dem Blickwinkel der Umweltschadstoffe und der umweltbedingten Krankheiten können verschiedene biochemische Laborparameter bestimmt werden (Tab. 2).

Dabei sei insbesondere auf die Bestimmung des Kryptopyrrols im Harn (Kryptopyrrolurie) hingewiesen. Menschen mit einer Kryptopyrrolurie sind besonders anfällig gegenüber Umweltschadstoffen. Diese, genetisch bedingte, Stoffwechselstörung findet sich bei etwa 10% der Bevölkerung.

Eher schwierig ist erfahrungsgemäß der direkte Schadstoffnachweis bzw. dessen Identifizierung als krankheitsauslösende Ursache.

Wichtig ist weiters die Analyse des Glutathionsystems und der Aminosäure Methionin.

Das Tripeptid Glutathion, bestehend aus den Aminosäuren Glycin, Cystein und Glutamin, ist die für den Menschen wichtigste intrazelluläre reduzierende Substanz. Beide sind für Entgiftungsreaktionen im menschlichen Organismus von überragender Bedeutung. Man findet deshalb sehr häufig bei umweltbedingten Krankheiten einen Mangel an diesen Substanzen, insbesondere beim Methionin.

Prävention und Schutz durch einen gesunden Lebensstil

Es versteht sich von selber, daß man den Umweltbelastungen kaum entkommen kann, mit Ausnahme des Rauchens und des übermäßigen Alkoholkonsums!

Besondere Bedeutung kommt auch in diesem Bereich einem gesunden Lebensstil zu, der im wesentlichen auf drei Säulen basiert:

  • Körperliche Aktivität
  • Richtige Ernährung
  • Seelisches Gleichgewicht

Körperliche Aktivität

Vor allem amerikanische Untersuchungen haben sehr schön die vielen Vorteile einer regelmäßigen körperlichen Aktivität für die Gesundheitsförderung bewiesen. Insbesondere wird dadurch das anti-oxidative Schutzsystem des Menschen gestärkt. Auch der regelmäßige (schnellere) Spaziergang zählt bereits zur körperlichen Aktivität. Nicht zu empfehlen beim Gesundheitssport ist jede Form einer extremen körperlichen Belastung (z. B. Marathon). Diese führt, im Gegenteil, zu einer vermehrten Radikalbildung und Oxidativem Stress!

Richtige Ernährung

Die Grundprinzipien einer richtigen Ernährung sind mehr biologische Vollwert- bzw. Vollkornprodukte und weniger Fleisch bzw. Wurst und raffinierter Zucker. Zentrale Bedeutung kommt dabei einer ausreichenden täglichen Aufnahme von anti-oxidativen Mikronährstoffen zu, wie sie reichlich in frischem, unbehandelten Obst und Gemüse enthalten sind.

Die vielzitierte "ausgewogene Ernährung" zur bedarfsgerechten Zufuhr an Mikronährstoffen ist eher ein Wunschtraum mancher "Spezialisten" und Theoretiker. Die Realität bezüglich der Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen hierzulande ist, dass sie sich qualitativ und quantitativ falsch ernähren und damit den erforderlichen Tagesbedarf an anti-oxidativen Mikronährstoffen nicht erreichen! Anhand von systematisch durchgeführten Mikronährstoff-Analysen im Blut sowie lebensmittelchemischen Untersuchungen lässt sich dies auch leicht beweisen!

Dazu ein kleines Beispiel: Zur Verhütung von Krebs empfiehlt das amerikanische Krebsforschungs-Institut (National Cancer Institute), täglich 5 (fünf) Portionen Obst oder Gemüse zu essen in Hinblick auf eine ausreichende Zufuhr an anti-oxidativen Mikronährstoffen. Es gibt sicherlich nicht sehr viele Menschen, die dieser Empfehlung entsprechen!

Die besondere Bedeutung der Mikronährstoffe liegt in ihrer Unentbehrlichkeit für den Menschen (Tab. 4). Sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, weil der menschliche Organismus sie nicht selbst herstellen kann. Allen Mikronährstoffen ist weiter gemeinsam, dass sie wahre Multitalente mit mannigfaltigen Funktionen im komplizierten menschlichen Stoffwechselgeschehen sind.

Eine der Hauptfunktionen von zahlreichen Mikronährstoffen liegt, wie schon oben beschrieben, in ihrer Wirkung als wichtige Anti-oxidantiken im menschlichen Körper!

Gerade aus dem Blickwinkel der Umweltschadstoffe ist also, neben einer möglichst ausgewogenen und vielseitigen Ernährung, die tägliche, zusätzliche Einnahme eines (niedrig dosierten!) Mikronährstoff-Präparates (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) durchaus empfehlenswert.

Es hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Vitamin C wirksam gegen Bleiakkumulationen in Knochen und Gehirn wirkt oder dass Vitamin E und das Spurenelement Selen effektive Helfer gegen Schadstoffe aus der Luft sind. Raucherhaushalten ist überdies die Anschaffung eines elektrostatischen Luftfilters zur Eliminierung von Luftschadstoffen zu empfehlen.

Gewarnt werden muss an dieser Stelle allerdings vor einer unkontrollierten Einnahme von Mikronährstoffen nach eigenem "Guttünchen"! Vor allem die Spurenelemente sind in dieser Hinsicht problematisch.

Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt!

Seelisches Gleichgewicht

Hierbei gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Jeder Mensch muss seine individuelle Strategie entwickeln, um zum seelischen Gleichgewicht zu finden! Ein Schlüssel dazu liegt sicher im Slogan "Zurück zur Natur". Es gibt gerade in Österreich viele Möglichkeiten, die Schönheit , Ruhe und Kraft der Natur zu genießen und so zum seelischen Gleichgewicht zu finden.

Tab. 1

Beispiele für Umweltschadstoffe

  • Formaldehyd
  • Schwermetalle (v.a. Blei, Cadmium, Quecksilber)
  • Stickstoffhaltige Verbindungen (Nitrate)
  • Halogenierte/chlorierte Kohlenwasserstoffe
  • Strahlung
  • Elektrosmog
  • u.v.a.m.

Tab. 2

Laboranalysen bei Umweltbedingten Krankheiten (Auswahl)

  • Gesamtplasmatische Redoxkapazität nach Rice-Evans
  • Malondialdehyd
  • Vitamine
  • Zink, Selen, Mangan, Kupfer, Magnesium
  • Kryptopyrrol im Harn (+ Vit. B6 im Blut)
  • Gesamtcholesterin, Triglyceride
  • Laktat, Pyruvat (Ruhe, Belastung)
  • Glutathionsystem
  • Homocystein
  • Inesterase

Tab. 3

Radikal-assoziierte Krankheiten (Oxidativer Stress)

  • Krebs
  • Arteriosklerose und Infarkt (Herz, Gehirn)
  • Arthrose
  • Lungenkrankheiten
  • AIDS
  • Erkrankungen des Zentralnervensystems
  • Vorzeitige Alterungserscheinungen (Haut, Gehirn, Auge, etc.)
  • Leberschäden
  • Allergien
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen ("Rheumatismus")

Tab. 4

Wichtige Mikronährstoffe

  • Vitamine (z. B. A, Beta-Karotin, C, E, B-Komplex, Folsäure)
  • Mineralstoffe (z.B. Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium)
  • Spurenelemente (z.B. Selen, Zink, Kupfer, Mangan, Eisen, Chrom)
  • Bestimmte Proteine und Aminosäuren (z. B. Methionin, Cystein, Glutamat)
  • Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe (z. B. Flavonoide, Allicin, Indole, Saponin)
  • Coenzyme (z. B. Coenzym Q 10)
  • Fettsäuren (z. B. Omega-3-Fettsäuren)

Vielzahl weiterer Substanzen (z. B. Cholin, Ginseng, Lecithin, Propolis, Algen).

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